Bayerischer Carbonkraftzwerg – Unser 100.000-Kilometer-i3

Unser BMW i3 ist endlich da

Wir holen unseren i3 aus dem Elektroland Bayern

  • Hin mit dem Mietwagen, zurück im eigenen BMW i3
  • In Bayern reichhaltigstes Angebot gebrauchter i3
  • Gekauft wie gesehen – nur anhand von Fotos
  • Ausstattungswünsche: LED-Scheinwerfer, REX, nicht weiß und Glasdach

Da ist das Ding! Unser erstes eigenes Auto hat zwei Motoren und fährt meistens elektrisch. Uns war bewusst, auf was wir uns einlassen. Eine Woche lang konnten wir den BMW i3 mit Range Extender und dem 94-Ah-Akku als Mietwagen fahren. Und vor allem: laden. Alles kein Thema. Deshalb fahren wir jetzt einen i3 REX mit 60-Ah-Akku.

Gar nicht so einfach ist die Reise, ein Auto zu kaufen. Sich überhaupt erst einmal auf Marke, Modell und Antriebe einigen, Optionen vergleichen, hunderte Inserate durchgehen. Am Ziel angekommen war der i3 mit Range Extender alternativlos. Es gibt kein anderes Auto, das erfüllte, was wir suchten. Kompakt sollte es sein, mindestens ein Hybrid, gutes Licht und ein Glasschiebedach.

Aktuelle Plug-in-Hybride fahren nur 50 Kilometer rein elektrisch. Für den klassischen Hybrid à la Prius liegt der vorteilhafte Stadtanteil unserer Pendelstrecke bei null. Infrage kommende Diesel und Benziner werden laut Kostenrechner des ADAC perspektivisch zu teuer im Unterhalt, sind zu klein oder zu groß. Kurzum: Das Rennen macht der BMW i3.

Ein Exemplar sticht dann bei mobile.de besonders hervor. Gut gemachte Fotos zeigen LED-Scheinwerfer, einen REX (Range Extender), das Glasschiebedach und einen sehr gepflegten Zustand. Dieser i3 ist nach langer Suche der einzige verbleibende Kandidat. Alle anderen erfüllen mindestens einen Wunsch nicht oder passen nicht ins Budget. Ein möglicher Nachteil: Der Kilometerzähler steht zum Kaufzeitpunkt schon bei 115.000. Anhand der Bilder ist es kaum zu glauben, dass er schon so viel gelaufen ist. Immerhin ist das Auto schon fünf Jahre alt und stammt aus zweiter Hand.

Der Kontakt mit eben jener zweiten Hand läuft dann sehr entspannt ab. Mails und Anrufe gehen hin und her. Alles macht einen freundlichen, vertrauensvollen Eindruck. Verhandeln wollen wir nicht mehr, denn den Preis finden wir fair. Damit sind wir die Ausnahme, erzählt der Vorbesitzer später. Alle anderen hätten den Preis bis zur Unverschämtheit drücken wollen. Wir machen also etwas, von dem jeder Profi abrät und kaufen unseren i3 aus der Ferne – ungesehen, ungeprüft und von privat. Und warum ausgerechnet aus Bayern? Ganz einfach: Im Freistaat gibt es die größte Auswahl an gebrauchten BMW i3. Was an den unfassbar vielen Ladesäulen liegen könnte. An denen man kostenlos laden kann. Das ist aber nur ein Gefühl.

100.000 Kilometer im BMW i3: Bestandsaufnahme

Kaum zu glauben, dieser Kilometerstand

  • Bis auf wenige Schönheitsfehler überragender Zustand trotz hoher Laufleistung
  • Einzige Gebrauchtspuren: Kratzer auf der Ladekante, Griffspuren am Lenkrad
  • Fehler 1: Risse an der Verkleidung der A-Säule/ Fronthaube beidseitig
  • Fehler 2: Pixelfehler im Navidisplay

Am Karfreitag 2019 setzen wir uns in einen Mietwagen, packen den Hund ein und machen uns auf die Reise zum Staffelsee, der einstiegen Heimat unseres i3. Das Mitschwimmen im Osterverkehr gerät trotz aller Erwartungen nicht zum Geduldsspiel. Früher als geplant tauchen die Alpengipfel von Garmisch-Partenkirchen in der Ferne auf. Und früher als geplant können wir mit zwei vollen Tanks die erste Probefahrt machen. Mehr sollten es auch gar nicht werden. Wobei: Auf dem Rückweg vom Staffel- zum Kieferngrundsee stellen wir den i3 und uns noch ein paar Male auf die Probe.

Steigungen mag er so gerne wie der Feldhase den Jagdhund. Am Berg muss der i3 ganz schön kämpfen. Ist der Akku leer, schafft der REX es nicht, die Strommenge zu produzieren. Das Auto wurde einmal so langsam, dass wir rechts ranfahren mussten. Unschön, kann man sich aber drauf einstellen. Der ADAC und der Vorbesitzer empfehlen, den Range Extender für längere Fahrten schon frühzeitig (bei 75% Akku) dazu zu schalten. So hat das Auto immer genügend Leistungsreseren – auch an Steigungen.

Mehrmals stellte ich mir die Frage: Hält das Auto, was der Verkäufer versprochen hat? Mein gesundes Misstrauen wollte mir glauben machen, dass der i3 mit 115.000 Kilometern nicht so gut in Schuss sein kann wie behauptet – war aber so. Kaum Kratzer, die meisten auf der arg exponierten Ladekante des BMW i3. Das hellgraue Lenkrad sieht auch schon etwas abgegriffen aus. Da mir das Lenkrad-Design auch nicht unbedingt gefällt, steht ein M-Lenkrad der F-Baureihe oben auf der Wunschliste. Es kostet mit Airbag ungefähr 1.100 Euro, stünde dem reduzierten Cockpit aber ausgezeichnet.

Weitere Schwachstellen, die wir über die BMW-Gebrauchtwagengarantie abrechnen möchten: Unser i3 hat gerissene Verkleidungen der A-Säule. Man sieht es nicht auf den ersten Blick. Aber die Risse sind vorhanden – beidseitig an der gleichen Stelle. Deshalb gehe ich von einem Materialfehler aus. Der Besuch beim Händler zur kleinen Inspektion wird das hoffentlich beheben – oder mindestens erklären. Dann ist da noch ein unschöner Pixelfehler im Navi-Bildschirm. Eine komplette Pixelreihe zeigt ein unscharfes Bild. Es fällt nicht sofort auf. Aber einmal gesehen, schaust du ständig drauf. Ein Ersatzbildschirm kostet freche 500 Euro aufwärts.

Auch technisch macht unser i3 einen hervorragenden Eindruck. Die Bremsen sehen gut aus und sprechen bissig an. Weder machen die Stoßdämpfer noch die Lenkung einen schwammigen Eindruck. Er fährt sich straff und verbindlich wie ein Neuwagen. Nichts – und damit meine ich wirklich nichts – klappert. Einzig auf grobem Kopfsteinpflaster schlagen die rahmenlosen Scheiben gegen die Türdichtungsgummis. Das machen sie aber auch bei einem Audi TT oder A7 Sportback.

Gebrauchter i3: Wie lange hält der Akku noch?

Lässt der Akku nach 5 Jahren und 100.000 Kilometern nach?

  • Pro Akkuladung bis zu 135 Kilometer
  • Pro Tankfüllung bis zu 150 Kilometer per REX
  • Bei 30° Celsius nur 100 Kilometer
  • Reichweite stark abhängig von der Fahrweise
  • Der i3 schafft ein Verständnis für die Kostbarkeit von Energie

Der BMW i3 erzieht die gewohnte Fahrweise komplett um. Ausrollen wird zur Phase für die Energierückgewinnung. Ganz selten nur noch benutzt man das Bremspedal. Autobahntempo schneller als 130? Findet so gut wie nicht mehr statt. Vollgeladen schafft der i3 normalerweise zwischen 110 und 130 Kilometern. Da springt bei den meisten Autos schon die Reserveleuchte an und das Navi will zur nächsten Tanke lotsen. Kein Wunder, dass alle von Reichweitenangst reden, wenn verrückte Warnleuchten es ihnen seit Jahrzehnten beibringen.

Doch wie steht es um die Dauerhaltbarkeit? Offenbar ganz gut. Trotz der hohen Laufleistung von knapp 120.000 Kilometern und einer Erstzulassung im Mai 2014 macht der Akku einen fitten Eindruck. Laden und Fahren funktionieren ohne Einschränkung wie beim neuen i3, die wir als Mietwagen hatten. Auf das Thema Akku-Haltbarkeit gehe ich in einem separaten Blog-Artikel noch einmal genauer ein. Speziell die Dauerbelastung durch das tägliche Pendeln, die Klimaanlage im Sommer und die Heizung im Winter kommen dabei unter die Lupe. Was der i3 uns bisher schon beigebracht hat: Mit Energie, also Strom zu haushalten.

Pendeln mit dem BMW i3

Knallharte Umstellung: Täglich 110 Kilometer Pendeln mit dem Elektroauto

  • Früher: ca. 12 Euro Kraftstoffkosten pro Tag (Mazda 2 1.25 Benziner)
  • Mit dem BMW i3 ca. 5,22 Euro Kraftstoffkosten pro Tag

Aktuell laden wir außer am Wochenende jeden Tag – als wäre der i3 ein Smartphone. Pro Ladevorgang landen maximal 18 kWh im Akku. Eine Kilowattstunde kostet in unserem Tarif (grünstrom easy12) aktuell 0,29 Euro. Macht für einmal voll also 5,22. Vor dem i3 fuhren wir einen Mazda 2 DY aus 2004. Sein kleiner 1.25-Benziner brauchte alle vier Tage eine neue 35-Liter-Tankfüllung für 45 bis 50 Euro – pro Tag also ungefähr 12 Euro.

Dazu haben wir allein im letzten Jahr gut 2.000 Euro an Reparaturen in den Mazda gesteckt – bei einem Auto, das nur noch 1.200 Euro wert ist, sicher nicht besonders clever. Aber wir dachten nach jeder Reparatur, dass nun ja nichts mehr kaputt gehen könnte und das Auto durchrepariert ist. Pustekuchen. Erst stieg der Flachriemen aus (Riss), dann im Hochsommer die Klimaanlage (Kompressor defekt), dann die Kupplung (Scheibe aufgelöst), kurz danach reißt der Bremssattel vorn links. Ich meine wie bitte? So etwas habe ich noch nie vorher erlebt oder gesehen. Dann wurde die Batterie ersetzt, nachdem er nicht mehr ansprang. Am Ende hatten wir das Gefühl, der alte Herr will nicht mehr, kann nicht mehr und lässt uns im Stich. Also schickten wir ihn in den Ruhestand – bei 212.000 Kilometern.

Wirtschaftlich macht es Sinn, alte Autos so lange wie möglich zu fahren. Wer Zeit hat, alle vier Wochen zwei Tage auf sein Auto zu verzichten um Ersatzteile besorgen und es reparieren zu lassen, kann das so machen. Wer aber wie wir nur ein Auto hat und darauf angewiesen ist, will nicht morgens ständig darauf wetten müssen, ob es heute durchhält oder nicht.

Das Pendeln mit dem i3 gerät nicht mehr zur Wette. Eine saubere TÜV-Statistik und gut kalkulierbare Reichweite (bei immer gleichem Arbeitsweg) beruhigen das geschundene Vertrauen ins Auto. Abstandstempomat, Stauassistent für das kurze Autobahnstück, ordentliches LED-Licht und eine anständig klingende Musikanlage versüßen die Zeit im Auto.

Dann ist da noch das Fahren an sich. Der i3 reagiert sehr direkt auf alle Bewegungsbefehle. Lenkung, Gas und Bremse reagieren unmittelbar. Jeden Millimeter, den du fahren willst, scheint das Auto zu ahnen. Die beiden Heckmotoren packen Gewicht auf die Hinterachse, garnieren den i3 mit einer sagenhaften Traktion, selbst auf nasser Straße. Da gerät nichts ins Schwimmen. Nur ins Schwärmen. Was für ein genial gedachtes und gebautes Auto.

BMW i3 60Ah REX: Technische Daten

  • Elektromotor: Hybriderregter Synchronmotor
  • Leistung: 170 PS (102 PS Dauerleistung)
  • Drehmoment: 250 Nm
  • Benziner: 0,7 Liter Zweizylinder
  • Leistung: 38 PS @5000 U/min
  • Drehmoment: 55 Nm @4500 U/min
  • Getriebe: 1-Gang-Übersetzung
  • 0 – 100 km/h: 7,9 sek
  • Vmax: 150 km/h
  • Aktueller Verbrauch: 16,4 kWh / 100 km
  • Verbrauch mit Range Extender: 6,5 Liter / 100 km
  • Verbrauchsangabe BMW: 12,6 kWh/ 100 km
  • Akkukapazität: 60 Ah (22 kWh, davon 18,8 nutzbar)
  • Tankinhalt: 9 Liter
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