_BMW 530i gegen Jaguar XF 25d. Die weißeste Kombi, seit es Kombis gibt.

Vierzylinder-Diesel. Urks. Vierzylinder, die mal ein Sechszylinder waren. Urks. So und nun mal Gemisch bei die Brennräume: Ist es wirklich so schlimm? Ganz und gar nicht. Sie fahren bestens und wie es sich gehört. Mit weiß lackierten Jaguar XF 25d und BMW 530i auf Kombi-Tour.

BMW schrumpft die Motoren, die sie in den 90ern und 2000ern haben wachsen lassen. Das Gros der Sechszylinder (ab 20i) wird nun zum Gros an Turbo-Vierzylindern. So, wie es ganz früher einmal war. Nur damals in den 70er und 80er Jahren noch größtenteil ohne Turbo. Bis einer einen Turbo bekam, der 2002 tii. Den wollten damals alle und er ist heute heiß begehrt – weil er leicht ist. Warum heute ein Vierzylinder-Turbo verschmäht wird? Weil sie schwere Karossen schleppen müssen. Auf Spurensuche – zusammen mit einem 25d im Jaguar XF, der als 3.0d auch mal ein Sechszylinder war. 

BMW 530i Touring im Test: Was kann der Turbo-Campers-Bombi?

  • Wacher Antrieb: 252 PS + spontane Automatik
  • 350 Nm Drehmoment für 2.0 Liter Hubraum klasse, trotzdem viele Schaltvorgänge
  • Großartig bei Komfort, kein Nachwippen mehr wie beim F11
  • Schildererkennung nicht verlässlich genug (130 km/h innerorts – darf nicht passieren)

Was macht man mit Mietwagen? Lange Autobahnetappen abreißen. Das kann der 5er besser als seine Vorgänger. Der Touring fährt sehr leise, enorm spurtreu und vermittelt fast immer eine niedrigere Geschwindigkeit als du tatsächlich fährst. So kommt man auf Gedanken. Wie viel oder wenig kann ein aufgeladener Turbovierzylinder verbrauchen? Auf einer 500 Kilometer langen Autobahnetappe setze ich fünf Mal alle 50 km den Bordcomputer zurück und fuhr so unterschiedlich konstante Geschwindigkeiten. Hier die Ergebnisse:

  • Verbrauch auf der Autobahn (je 50 km, dann Bordcomputer zurückgesetzt):
  • 13,2 l / 100km  bei 240 km/h
  • 11,4 l / 100km bei Tempomat 200 km/h
  • 8,6l / 100km bei Tempomat 160 km/h
  • 7,1 l / 100km mit EcoPro bei Tempomat 130 km/h

Das einzuordnen fällt nicht schwer. Ein vergleichbarer 530d (auch als Kombi) braucht ungefähr 1,5 bis 2 Liter je 100 Kilometer weniger Kraftstoff, liefert mehr Drehmoment und klingt souveräner – weil BMW dort noch sechs Kolben durch drei Liter Hubraum jagt. Im Clinch zwischen Benzin und Diesel sind diese zwei Liter Minderverbrauch zugunsten des Diesels üblich.

Warum sollte man dann also 30i statt 30d fahren? Für sich betrachtet wirkt der zwei Liter große Turbobenziner unglaublich lebendig. Er dreht schnell hoch, die Automatik reagiert irrsinnig schnell und zwei Zylinder weniger machen den 5er leicht auf der Vorderachse. Beim Kurvenräubern auf der Landstraße fühlt sich der 530i zwar nicht wie ein Mini Cooper an. Fährt aber deutlich williger als der 530d in der gleichen Karosserie.

Aber ich sehe den Motor eher im Dreier denn im Fünfer. Warum? Das volle Drehmoment von 350 Nm liegt zwar schon ab 1450 U/min an. Aber das Getriebe schaltet trotzdem auch beim eher sachten Durchbeschleunigen einen oder zwei Gänge zurück. Im leichteren Dreier muss er das nicht. Wer aber noch die alten Sechszylinder-Sauger aus dem E60-5er kennt, wird auch mit dem modernen 30i warm. Denn die Drehfreudigkeit stimmt.

Ebenso stimmig wirkt auch nach einer (Miet-)Woche der Rest des Autos. Der Kombi deckt mit dem Luftfahrwerk eine extrem variable Spannbreite ab. Zwischen knochentrocken und babyweich lassen sich Fahrwerk, Lenkung und Antrieb einstellen – im Individual-Modus auch jeder Parameter für sich. Im iDrive-Menü findet man sich schnell zurecht. Nach spätestens 30 Minuten sind die letzten Funktionen gefunden. Das dauert bei der Touchbedienung im Jaguar deutlich länger. Steigen wir um in XF Sportbrake.

Jaguar XF 25d Sportbrake im Test: Selten so Geschmack

  • Kräftiger Diesel, toll adaptierte Automatik von ZF
  • Sensationeller Verbrauch gemessen an Fahrzeuggröße und -Gewicht
  • Sehr sportlich potentes Fahrwerk, trotzdem guter Komfort
  • Touchbedienung braucht Eingewöhnung, funktioniert dann aber prima, Navi mit kleineren Aussetzern

Die Jaguar XF Sportbrake konnte ich nur kurz nach dem 530i immerhin 340 Kilometer fahren. Dabei habe ich ähnlich wie bei der weiten Strecke mit dem 530i den Bordcomputer immer wieder zurückgesetzt – nur mit kürzeren Etappen. Topografie und Wetter waren sehr ähnlich. Gefallen hat mir der zwar dieseltypische aber kräftige Klang des Selbstzünders. Hier kommt das Verbrauchsprotokoll:

  • Verbrauch auf der Autobahn (je 10 km, dann Bordcomputer zurückgesetzt):
  • 11,5 l / 100km  bei 240 km/h (Vollgas)
  • 8,9 l / 100km bei Tempomat 200 km/h
  • 6,8l / 100km bei Tempomat 160 km/h
  • 4,7 l / 100km bei Tempomat 130 km/h

Diese Werte sind auch im Vergleich mit den deutschen MBA-Dreigestirn ein echter Knaller. So selbstzündet der Diesel locker 1000 Kilometer weit. Der Tank im BMW 530i wollte 400 Kilometer eher Nachschub. Phänomenal am Jaguar ist seine Tendenz zum Umerziehen des Fahrstils. Gerade nach dem direkten Umstieg vom 530i auf den XF 25d fiel es mir stark auf: Der Jaguar entspannt extrem. Das satte Drehmoment, das stoische Halten der Gänge, der ebenso wie beim BMW geniale Geradauslauf lassen den Sportbrake mehr gleiten als fahren.

So empfand ich den Zwoliter-Diesel sehr passend zum größten Kombi aus England. Er schiebt satt an, klingt im Vergleich zu anderen Vierzylindern souverän und bleibt dabei enorm sparsam – unterstützt durch die wunderbare ZF-Automatik. Auf der Getriebeseite haben übrigens beide Hersteller eine klasse Adaption hinbekommen. Was sich anfühlt wie eine Doppelkupplung ist das frühzeitige Schließen der Überbrückungskupplung. Fasst nie rührt die Automatik im Wandler, immer liegt der passende Gang an. Egal ob Benziner oder Diesel. Da braucht man kein Getriebe mehr selbst entwickeln.

Wo Jaguar sich auch bei Zulieferern assistieren lassen könnte: Das Navi wirkt beim ersten Einsteigen überfrachtet. Statt mit klaren Flächen werden Bilder und Schrift gemischt. Die Symbolleiste am unteren Bildschirmrand wirkt auf mich überfrachtet, zu klein und nicht klar genug. Die Eingewöhnungszeit liegt über der im BMW – aber mit der Zeit bekommt man es hin. Ärgerlich: Zwei Mal brach die Zielführung ab. Immerhin hängte sich das Infotainment nicht komplett auf. In den letzten Zielen neu angewählt und weiter ging es.

Trotz dieses Aussetzers wirkte der XF Sportbrake ausgereift und technologisch mindestens ebenbürtig mit dem BMW. Er fährt leise, schnell, spurtet gut durch und entspannt beim Fahren. Der 530i fährt leichtfüßiger und lebendiger mit einer größeren Spreizung zwischen Sport und Komfort. Aber der XF souveränisiert die Obere Mittelklasse. Und egal, was Jaguar in die Ledersitze schmiert: Es riecht einfach verdammt gut. Das macht den XF neben den edlen Oberflächen haptisch und olfaktorisch zu einem Auto, nach dem man sich beim Abschließen und Weggehen gerne noch einmal umdreht, ein geschmackvolles Auto.

Diesel oder Benzin? Bei vier Zylindern der Benziner

  • Drehmoment des Jaguar-Diesels überragend bei entspannter Fahrweise
  • Drehvermögen und Ansprechverhalten des BMW-Benziners faszinieren
  • Klangkulisse beim „Ingenium-Diesel“ souveräner (trotz des Vierzylinders)
  • Leistungsabgabe des N63B44-Benziners über ein breites Drehzahlband nutzbar

Wir können das Fazit kurz halten: Zum Kilometerfressen steigen wir lieber hinters Lenkrad des Diesels. Für alles andere würden wir lieber Benzin tanken. Dann auch gerne einmal im Jaguar.

Und nun noch ein bisschen ausführlicher: Beim Drehmoment von 500 Nm wirkt der Jaguar bei entspannten Touren souveräner als der BMW. Dafür kommt beim 30i Leben in den Kombi. Der Antrieb wirkt in allen Fahrmodi dermaßen auf Zack, dass er sogar leicht übernervös antizipierend wirkt. Wer das mag, dazu zähle ich mich, fährt auf den BMW. Nur würde sich BMW einen Gefallen tun, den Motor entweder noch leiser zu dämmen oder ihm mit künstlichem Sound aus den Boxen etwas unter die Zylinder zu greifen. So staubsaugt er hechelnd vor sich hin. Zum Jaguar passt der Vierzylinder-Diesel gut. Ohnehin ist der XF Sportbrake ein erstaunlich ebenbürtiges Auto mit großzügig viel Platz und piekfeiner Verarbeitung – wie bei BMW.

BMW 530i Touring | Technische Daten

Motor: 2.0 4-Zylinder Benziner mit Turbo
Leistung: 252 PS @ 5200 – 6500 U/min
Drehmoment: 350 Nm @1450 – 4800 U/min
Getriebe: 8-Gang-Automatik von ZF
0 – 100 km/h: 6,5 sek
Vmax: 250 km/h (elektronisch begrenzt)
Testverbrauch: 8,2 Liter / 100 km
Verbrauchsangabe BMW: 6,3 bis 5,8 Liter / 100 km
Tankinhalt: 68 Liter
Kofferraum: 570 Liter

Jaguar XF 25d Sportbrake | Technische Daten

Motor: 2.0 4-Zylinder Diesel mit Turbo
Leistung: 240 PS @4000 U/min
Drehmoment: 500 Nm @1500 U/min
Getriebe: 8-Gang-Automatik von ZF
0 – 100 km/h: 6,7 sek
Vmax: 241 km/h
Testverbrauch: 6,9 Liter / 100 km
Verbrauchsangabe Jaguar: 5,8 Liter / 100 km
Tankinhalt: 66 Liter
Kofferraum: 565 Liter

Bilder: schwerunterwegs

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