_Audi TT | Von auf gar keinen zu auf jeden Fall

Vom Audi TT, der dazu bekehrte, ihn zu mögen.

Nein sagen. Dagegen sein. Eine ablehnende Haltung an sich klingt für vielen Menschen sicher erst einmal aufmüpfig. Doch sie ist in Wirklichkeit das Zeugnis aus Urzeiten. Damals, als wir noch Fluchttiere waren. Sie macht uns vorsichtig, hält uns in der Spur, wenn es brenzlig wird. Wir verlassen uns auf Erfahrungswerte, freuen uns über Vertrautes. Und denken, wir wären rebellisch.

Einige Menschen leben sehr gut mit einer zurückhaltenden Einstellung. Der Großteil hat wohl von beiden Seiten eine vernünftige Portion mit auf den Weg bekommen. Und dann sind da Menschen, die anders ticken. Die Pessimisten nennen es naiv. Dabei beschreibt es bissig, neugierig, abenteuerlustig, hungrig vielleicht treffender.

Es sind Menschen, die lieber über Landstraßen fegen statt Autobahnen zu bügeln. Denen die Stadt ein Zuhasue ist aber die in der Wildnis so richtig aufblühen. Sie brauchen Feuer, ungwohnte Umgebungen, Temperament statt Fundament, Enter- statt Infotainment. Frage- statt Ausrufezeichen.

Das mag bis hier hin sehr generisch klingen. Aber es gibt ein Auto, wie sollte es anders sein, dem du dich mit genau dieser Herangehensweise nähern musst. Ein Auto, das viele Schwächen hat. Doch die hier aufzuzählen würde dem alten Meckerheini im Kopf Recht geben. Ihr wisst schon, dem auf Sicherheit bedachten Sesselpupser mit neandertaligem Fluchtinstinkt.

Der bekommt aber heute keine Chance. Denn du lässt dich auf dieses Auto ein. Entdeckst Straßen und Winkel, die du vorher noch nie gekreuzt hast. Schnüffelst Lacke aus Lackhause, tankst den guten Diesel, missachtest die Navistimme um kaum belebte Straßen zu vermessen.

Und wenn du vermessen meinst, schau doch jetzt mal in den Rückspiegel. Diese zuckenden Striche in deinem Gesicht nennt man Mund. Siehst du, wie er grinst? Aber Obacht, nicht die Kurve aus dem Blick verlieren. Denn Kurven kann der Audi TT richtig gut. Den Rest kannst du getrost unter Augenwischerei abschreiben.

Dass er auf dem Golf basiert und trotzdem in porschige Preisregionen vorstößt? Ach komm‘ schon. Autos werden eh immer teurer. Dass er, obwohl der Golf die Plattform stellt, auf der Rückbank so wenig Platz machtwie ein 911? Im Coupé sizten hinten doch eh nur Jacken und kleine Koffer. Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Das Display hinterm Lenkrad sagt dem kühlen Rechner in dir: Audi spart hier das Geld für schöne Analog-Instrumente und produziert stattdessen Pixelkäse. Mit Sauermilch.

Klar könnte das „virtuelle Cockpit“, wie Audi es getauft hat, brillianter scheinen, schneller auf Eingaben reagieren. Die Bedienung könnte schlüssiger von der Hand gehen. Aber wer schaut schon auf das Diesplay, wenn dir die nächste Kurve im unsichtbaren Bogen zuruft: „Nimm! Mich!“. Und du nimmst sie, quietschend was die Gummifläche hergibt und so weit die Reifenflanken tragen. Du sortierst die Gänge mit chirurgischer Präzision, steppst auf dem Bremspedal wie eine Ballerina. Ob das vernünftig ist, ertappst du dich selbst fragend.

Nein. Aber geil. Auf jeden Fall.

Und schon hat der TT dich. Jetzt hör‘ schon auf, die Stirn zu runzeln. Das ist schlecht für den Teint.

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