_Nachts in Watte gepackt.

Der Audi A6 ist kein Auto zum Polarisieren. Er will einfach jedem gefallen. Dabei verliert er ein bisschen das aus den Augen, was Autofahren zu etwas Besonderem macht. Ist das jetzt gut oder schlecht?

Ich bin unschlüssig. Denn so einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Am Ende zählt wie fast überall der Geschmack. Oder die Dienstwagen-Vorschrift. Oder die gebuchte Klasse bei Sixt. Denn nicht immer kann man sich ein Auto aussuchen. Er wird dir einfach hingestellt.

Beim Lesen der Daten für den A6 kommen Erinnerungen an den Vorgänger hoch. Dieser weiße Raum- und Zeitgleiter war einer der einprägsamsten Automomente. Ein kräftiger Motor, eine Straßenlage wie auf Schienen und 100% Traktion hinterließen einen bleibenden Eindruck.

Vielleicht sind meine Erwartungen zu hoch. Ein Nachfolger sollte alles besser können – überall noch eine Schippe drauf legen. Doch ich mache keinen Hehl daraus, dass ich vom neuen A6 nicht begeistert war. Zu nah am Vorgänger und zu viele Bemühungen, den Fahrer komplett vom Straßengeschehen abzukoppeln, machen die Fahrt im A6 zwar entspannt aber nicht eben erfüllend.

Das kann daran liegen, dass der Sprung von der Baureihe C6 auf die aktuelle C7 nicht gerade groß ausfällt. Der Motor ist immer noch souverän genug für fast alle Lebenslangen. Das neue 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe löst eine Wandlerautomatik mit 6 Gängen ab. Die Charakteristik des alten Antriebsstranges fällt im Vergleich aber nicht so weit zurück, wie man vermuten würde. An die geniale ZF-Automatik kommt sie ohnehin nicht heran. Die 8-Gang Tiptronic im BiTurbo-Diesel würde mich aber im Vergleich zum BMW- und Jaguarpendant neugierig machen.

Keine Frage: Audi macht mit dem A6 sehr viel richtig. Perfekte Assistenzsysteme unterstützen den Fahrer beim Abstandhalten vom Vordermann und von den Markierungslinien der Autobahn. Beim Fahren könnte man theoretisch nebenbei Kartenspielen und der A6 würde einfach weiter seine Bahn ziehen und selbstständig um Kurven lenken. Ab und zu fordert ein Piepen dazu auf, kurz die Hand wieder ans Lenkrad zu packen. Aber sonst fährt das Auto praktisch autark.

Dem Fahrer wird so viel Arbeit abgenommen, dass das Fahren zur Langeweile verkommt. Du stellst einfach eine Geschwindigkeit ein – der A6 macht den Rest. Damit entfällt zwar eine ganze Menge Arbeit und das entspannt in stressigen Verkehrssituationen. Aber das Gefühl der Bevormundung durch das Auto lässt sich nicht ausblenden. Andererseits sind es gerade die Entkoppelungen vom Alltag, die moderne Autos zu einer solchen Beliebtheit verhelfen. Gefordert wird man schon genug, da muss es nicht ein Nutzgegenstand sein, der dir auf die Nerven geht. Oder?

Manchmal nervt es auch, nicht Chef im Ring und Herr der vier Räder zu sein. Zum Glück fehlen nur ein paar Klicks im MMI. Deaktiviert man die Assistenzsysteme kann man den A6 auch spaßig fahren. Ein Wermutstropfen bleibt aber. Die leichtgängige Lenkung trifft trotz „dynamic“- Einstellung nicht unbedingt meinen Geschmack. Die Rückmeldung fehlt mir. Ich möchte wissen, wie es den Reifen geht, wenn sie auf dem Weg durch eine Kurve um Haftung jammern. Meine Oberklassen-Benchmark in Sachen Fahrwerk, Motor und Lenkung bleibt aber weiterhin der 5er von BMW. Sorry Audi. In diesem Punkt habt ihr mich polarisiert.

Audi A6 Avant 3.0 TDI Quattro

_ 3.0 TDI V6-Dieselmotor
_ 245 PS Leistung
_ 580 NM Drehmoment
_ 0-100 Stundenkilometer:  ca. 6,5 Sekunden
_ 250 Stundenkilometer Spitze
_ 7,9 Liter Diesel/100 Kilometer
_ Leergewicht knapp 1,9 Tonnen

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