_Summer in the city.

„DISPITE THE HEAT IT WILL BE ALLRIGHT.“ Ein weißer BMW 5er im M-Trimm ist ungefähr so dezent wie die Stimme von Joe Cocker. Rauchig, Whiskey-geschwängert und mit viel Hingabe. Der Reihensechser-Diesel steht dem in nichts nach. Feingeister stören sich am fehlenden Timbre. Ich genieße das tiefe Wummern und den Vorschlaghammer-Punch.

Mit Geld nicht zu bezahlen: Ein paar Stunden Zeit. Nichts vor. Keine Termine, keine Deadlines, keine Einträge im Kalender. So gut. Die Sonne spiegelt sich auf den noch regennassen Straßen in Düsseldorf am Rhein. Dampfschwaden steigen auf und zeugen von der Kraft, die vom Sommer übrig geblieben ist. Draußen wartet eines der feinsten Automobile unserer Zeit. Wozu also in der Wohnung verstecken? Ich packe meine Sachen zusammen, nehme den Schlüssel und mache mich auf den Weg nach unten. Mit einem Druck auf den Knopf blinkt er mich an. Weiß steht er da. Aber ganz und gar nicht unschuldig. BMW-Freunde erkennen das M-Paket, welches die elegante Limousine mit reichlich sportlichen Zutaten kräftig nachwürzt. Das Typenschild am Kofferraum zeigt „530d“ und kündigt mir verheißungsvoll 258 Pferde und vor allem stramme 540 Newtonmeter Drehmoment an.

Das sind alles Stammtischzahlen. In der Kneipe kann der 530d den alten Herren nur ein müdes Lächeln abringen. Trotz seiner Kraft rangiert der 30d gerade mal auf Platz 7(!) in der Motorenauswahl beim Fünfer. Über ihm gibt es noch zwei weitere Reihensechser-Diesel. Den BiTurbo 35d mit 313PS und den Über-Heizöl-Tanker TriTurbo M50d mit sagenhaften 381PS. Bei den Benzinern liegen sowohl 35i (306PS) als auch 50i (449PS) über der Leistung des 30d. Außerdem hat BMW noch eine „ActiveHybrid“ genannte Kombination aus Elektromotor und Reihensechser-Benziner im Portfolio, die zusammen 388PS auf die Kurbelwelle drücken. Wer das Beste vom Besten kaufen möchte, findet seinen Meister im M5. Aus den Tiefen eines Turbo-geladenen V8-Benziner gipfelt hier die Leistung bei 560PS. Allesamt mögen sie kräftiger sein. Die Benziner bieten konzeptbedingt mehr Laufruhe und die V8 klingen wie ein Traum. Doch keiner dieser Motoren schlägt den 30d in Sachen Effizienz, Langstreckentauglichkeit, Gelassenheit und Grinse-Garantie im Alltag. „Back of my neck getting dirt and gritty.“

Ein Grinsen schafft er bei jedem Tritt auf das rechte Pedal. Es ist erstaunlich wie BMW es geschafft hat, einem derart großen Motor so feine Manieren bei zu bringen. Er spricht sofort an und setzt auch die leiseste Fußbewegung in Vortrieb um. Die acht Gänge kredenzt die Automatik immer perfekt. Den Zusatz „Sport“ im Namen hat sie sich redlich verdient. Je nach Lust und Laune des Fahrers serviert sie die Fahrstufen komfortabel sanft oder mit einem kräftigen Nackenschlag. Dazu drücke ich den Wählhebel nach links in die manuelle Gasse und ziehe wie im GT3-Rennauto an Schaltwippen zum Nachladen der Gänge. Es ist die pure Freude, das Auto im Sport+ Modus zielgenau über enge Landstraßen zu zirkeln. Früh anbremsen, Zweimal an der linken Wippe ziehen um den zweiten Gang parat zu haben. Im Scheitelpunkt den rechten Fuß auf halbem Pedal-Weg stehen lassen und  kurz das Gas lupfen.

Das Heck drängt sachte nach außen und hilft lenkend mit. Jetzt nur noch den Fuß Richtung Bodenblech drücken, Lenkrad geradeaus  und der weiße Bimmer bäumt sich auf. Er stürmt schnaufend wie ein Stier nach vorn. Ich lade die Gänge wie im Zeitraffer nach. Anbremsen. Runter schalten. Einlenken. Auf’s Gas. Gerade richten. Immer wieder. Dabei rotzt und schlägt es im Antriebsstrang, dass ich mich in einem sehr viel potenterem Benziner wähne. Ich möchte die Augen schließen und jede Explosion vorne aus dem Motorraum einzeln aufsaugen. Die Zündfolge des Reihensechsers klingt wie ein Chor und macht mich demütig. Ich verneige mich vor diesem Kunstwerk des Motorenbaus. In allen Drehzahlen unter heftiger Last und schwerem Gasfuß grummelt und rumort es um den Fahrer herum. Es faucht und zischt. Tiefe Bässe bei niedrigen Drehzahlen und metallische Töne beim Ausdrehen massieren das Trommelfell.

Ganz anders gibt er sich beim entspannten Dahingleiten. Vom Motor ist nichts zu hören. Dennoch verlässt mich nie das Gefühl, dass der Fünfer könnte, wenn ich ihn lassen würde. So etwas schafft eine Wohlfühl-Atmosphäre, wie sie schwer zu beschreiben ist. Man muss es einfach erfahren. Und jeden Takt genießen, den die sechs Kolben und ihr Turbolader da vorne komponieren. Dank reinem Heckantrieb bleibt die Lenkung frei von jeglichen Schlägen und verzieht einem nicht die Linie, wie es bei einem Allradler gerne der Fall ist. Jeder Winkel der Kurve lässt sich dank des üppigen Drehmoments, der rückmeldungsfreudigen Lenkung und des feinen M-Fahrwerks beliebig vom Fahrer bestimmen. Das Auto geht ohne lange Eingewöhnungszeiten direkt ins Blut über. Wie eine tägliche Dosis Adrenalin und Endorphin.

Jede Fahrt wird zum Erlebnis. Auch weil sich andere Verkehrsteilnehmer am expressiven  Äußeren und am Image des Münchners zu stören scheinen. Jeder Schlips tragende Fahrer in seinem biederen Vertreter-Passat versucht sich in oberlehrerhafter Manier Vorteile zu verschaffen. Ich finde mich in Situationen wieder, in denen ich auf der linken Spur ausgebremst werde. Vor Baustellen kennen diese Leute kein Reißverschlussprinzip mehr. Wenn ich direkten Blickkontakt suche, schauen sie weg. Peinlich berührt. Etliche Male werde ich im Rückspiegel per Lichthupe provokant dazu aufgefordert, die Spur zu räumen obwohl rechts alles voll ist. Zum Glück kann ich mich dieser Probleme mit einem sachten Druck auf das Gaspedal entledigen. Ich spiele Katz und Maus mit den Leuten, die meinen, sich die Welt beweisen müssen. Und wieder ist da dieses Grinsen im Gesicht. Cool bleiben im Traffic-Heat.

Lange hatte ich nicht mehr dieses Gefühl, ein Auto nicht los lassen zu wollen, als ich es bei SIXT am Düsseldorfer Flughafen in den Check-In der Wagenrückgabe stellen muss. An den engen Parkhaus-Wänden reflektiert der turbinenhafte Klang der Turbolader und der Bariton aus dem Auspuff bollert die Auffahrt hinauf. Mit einem Druck auf den Start-Stop-Knopf rotiert die Kurbelwelle ein letztes Mal. Die Schlüssel lasse ich im Auto, packe meine Sachen und fahre gewissermaßen mit den ersten Sonnenstrahlen in der Bahn ins Montag-morgendliche Büro. Warm war es und heiß wird es auch heute. „Hot town summer in the city.“

Wie das geht? www.sixt.de

BMW 530d
3.0 Liter R6 Dieselmotor
258 Pferdestärken
540 Newtonmeter Drehmoment an den Hinterrädern
5.8 Sekunden von Null bis zur Glückseligkeit (0-100km/h)
250 Stundenkilometer Spitze (mit elektronischen Fesseln)
8-Gang Sportautomatik Getriebe von ZF
Schaltwippen am Lenkrad
M-Paket (Schürzen, Schweller, Sitze, Lenkrad und Fahrwerk im Sportlerdress)
Xenon-Scheinwerfer
Navigationssystem Connected-Drive
Außen alpinweiß
Innen Leder Dakota schwarz
Spatzendurst: 6.7 Liter Diesel/100 Kilometer

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Ein Gedanke zu “_Summer in the city.

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