_ Den Kopf aufgemacht.

Opel spielt nicht mehr in einer Liga mit Audi, BMW oder Mercedes – und das ist auch verdammt gut so.

„Mit Opel geht es ja jetzt nur noch bergauf.“ – diesen selbstironischen Satz in einer Werbung zu bringen hat den Rüsselsheimern sicher viele schlaflose Nächte bereitet. Aber Jürgen Klopp hat vielleicht gar nicht so Unrecht – auch wenn er im echten Leben Porsche Cayenne fährt. 

Denn Opel macht sich. Langsam aber sicher kommt der traditionsreiche Autobauer nicht nur in den Bereich der schwarzen Zahlen. Auch die Autos an sich werden immer besser. Eine Neuheit nach der anderen kommt beim Publikum an und Opel versteht es Nischen zu besetzen, die andere Premiumhersteller hinterlassen. Ein SUV auf Kleinwagenbasis – der Mokka – erobert im Sturm die Herzen der Fans, die früher die alte A-Klasse gemocht haben. Der Adam ist der eigentlich bessere Mini – drei Türen, fairer Preis und etliche Individualisierungsmöglichkeiten, die nicht gleich das BaföG  der kaufwilligen Studentinnen auffressen, machen ihn zu einer lohnenswerten Alternative. Auch für Leute, die eigentlich nicht auf reine Lifestyle-Autos abfahren.

Und dann kommt der Cascada um die Ecke. Er ist ein bezahlbares Mittelklasse Cabrio mit Platz für vier, einer ordentlichen Kelle Fahrspaß und einem Design, das polarisieren kann. Das findest du weder bei Audi noch BMW oder Mercedes. Das Cabrio kommt mit einem sympathischen Stoffdach und bietet dennoch eine uneingeschränkte Ganzjahresnutzbarkeit. Von übermäßigen Windgeräuschen oder konstruktiven Mängeln (Aufblähen oder Flattern) konnten wir während der Woche auf Mallorca jedenfalls nichts feststellen. Wenn das Dach zu ist, wähnst du dich fast in einem Coupé.

Entsprechend zügig und vertrauensvoll lässt der Cascada sich auch um die Ecken werfen. Nach anfänglich vorsichtigen Gehversuchen in den Kreisverkehren rund um den Flughafen von Palma de Mallorca fassen wir schnell Vertrauen in das Fahrwerk und in die mitteilsame Lenkung. Uns schwahnt verdammt Gutes, wenn ich an die Straßen Richtung Port de Soller oder Cap Gros denke, die wir uns vorher auf Karten angesehen habe.

Doch der Reihe nach. Beim ersten Motorstart erwartet den Sixt-Mieter erst einmal nichts Besonderes. Ein Benziner halt, der ganz modern direkt einspritzend und turboaufgeladen auf der aktuellen Downsizing-Welle mitschwimmt. Mitschwimmen ist an dieser Stelle schon das richtige Wort. 140 PS liefert der 1.4 Turbo erst bei eigentlich ganz saugertypischen 4900 Touren. Entsprechend will die Maschine gedreht werden. Für den Alltagsverkehr reichen niedrige Drehzahlen, die der Motor auch klaglos über sich ergehen lässt. Gibst du ihm aber Feuer, zischt und faucht es herrlich beim hochtourigen Serpentinen-Räubern. Ein freches Sprotzen beim Lupfen des Gaspedals wird angedeutet. Hier könnte sich Opel aber noch mehr zutrauen. Das Potential für ein frech rotzendes Klangbild bringt der Vierzylinder in jedem Fall mit.

Dass 140 PS sich subjektiv etwas verhalten anfühlen, liegt aber nicht nur an der drehzahlgierigen Auslegung der Motorcharakteristik. Mit gut 1700 kg haben die Pferde ganz schön zu ackern. Und das merkst du als Fahrer auch. Für den schnellen Zwischenspurt darf die Drehzahl nicht zu sehr abfallen und ein paar PS mehr dürften es auch gerne sein. Oder einfach 200 kg weniger Blech auf den Hüften. Ob dann die passive Sicherheit des Cascadas leiden würde, lassen wir jetzt einfach mal außen vor. Zum Glück gibt es aber noch den 1.6 Turbo mit 200 Super-Plus-PS und den 2.0 CDTi BiTurbo Diesel mit 195 PS. So beflügelt wird der Cascada auch seinem Auftritt gerecht.

Denn er sieht schon verdammt scharf aus. So viel Mut und so viel Wandelbarkeit hätten wir der biederen Astra-Plattform gar nicht zugetraut. Die Opel Designer spielen ähnlich wie ihre Kollegen bei BMW mit Licht und Schatten, Sicken und Kanten. Damit schaffen sie eine Karosserie, die vor Spannung schon im Stand lebt und die während der Fahrt die Blicke auf sich zieht. Ja, richtig gelesen – die Leute drehen sich nach einem OPEL um. Dazu tragen die Scheinwerfer und Rückleuchten ihren Teil bei. Statt die Standardscheinwerfer mit einer einfachen Reflektormaske billig drein schauen zu lassen, spendiert Opel den Halogenbirnen einen Ausguck mit Linse. Das macht optisch nicht nur mehr her, auch die Ausleuchtung auf den engen mallorquinischen Straßen ist schlicht und einfach gut.

Diese Liebe zum Detail merkt man auch im Innenraum. Der Gurtreicher ist ein witziges Feature. Beim ersten Einsteigen kommt da eine Schiene über die Schulter gefahren, die den Gurt mitbringt und zu fragen scheint: „Darf ich ihnen behilflich sein?“ Wir schauen uns an und fangen an zu grinsen. Die Ambiente Beleuchtung gefällt und gibt dem ganzen Cockpit ein luftiges Gefühl. Schalter rasten sauber, Taster klicken satt, nichts scheppert beim Durchfahren von Schlaglöchern. Das ganze Auto wirkt überraschend solide und verwindungssteif. Sicher könnten es ein paar Knöpfe weniger sein. Und warum das zentrale Bedienelement des Navis aussieht als könnte es die gleichen Funktionen wie das iDrive im BMW – kann es dann aber doch nicht – bleibt uns ein Rätsel. Aber wie Kloppo schon sagt. Für Opel geht es jetzt nur noch bergauf. Wir nehmen ihn beim Wort, schnalzen mit den Gängen zwei und drei und zirkeln den Cascada gaspedalploppend die Serpentinen hoch. Dach auf, Kopf aus. Weil Malle ist nur einmal im Jahr.

Wie das geht? www. sixt.de

Opel Cascada 1.4 Turbo
_ Vierzylinder Benziner
_ 140 PS Leistung
_ max. 220 NM Drehmoment (Overboost)
_ rund 11 Sekunden von 0 auf 100
_ 17 Sekunden von geschlossen bis offen
_ ca. 7.5 Liter Super/ 100 Kilometer
_ Klimaautomatik, Gurtreicher, Navi

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