_Vom einfachen Auto.

Ein Auto muss heute ständig irgendeinen Lifestyle transportieren. Wozu? Nicht jeder von uns ist Surfer, Filmemacher oder Hairdesigner. Es muss doch auch nüchtern gehen. Ohne Geplänkel. Oder?

Nirgendwo wird so ein Aufwand um Namensfindung betrieben, wenn es darum geht, den Absatz von Autos mittels Nischenprodukten anzukurbeln. BMW nennt seine hochgelegten PKW nicht etwa „SUV“ – das wäre ja viel zu schnöde. Im Marketing-Deutsch kommt nach reichlichem Hin und Her und exzessiver Marktforschung heraus, dass „SAV“ doch ganz schneidig wäre. Das Sports Utility Vehicle wird so zu einem Sports Activity Vehicle. Und da liegt der Hund begraben. Denn in beiden Fällen ist das Sport eigentlich völlig daneben. Nicht dass der BMW X1 kein gelungenes Auto wäre. Ganz im Gegenteil. Er gefällt mir trotz seiner unverkennbaren Abstammung vom wesentlich kleineren und inzwischen arg angegrauten BMW 1er ausgesprochen gut. Aber, liebe Automobil-Industrie, was soll dieses proletenhafte Aufgebausche? Habt ihr es so sehr nötig?

Ich finde nicht. Denn um es kurz zu machen: Der X1 ist als Gesamtkonzept ein durchaus gelungenes Auto. Über seine stelzenartigen Räder duckt sich ein flacher Karosseriekörper. Vorne und hinten setzen kurze Überhänge mit scharf modellierten Kanten Akzente. Damit bekommt er etwas von einem Rally-Dakar-Auto und hebt sich so vom sonstigen SUV-Einerlei ab. Hier liegt wohl die „Activity“ zum Abholen bereit, die BMW dem X1 nachsagt. Alles schön und gut, aber aktiv bin ich mit dem Auto nicht wirklich. Durch das etwas schaukelige Kurvenverhalten und die Tendenz zum Kopfstand beim Bremsen schlage ich doch eher die gemütliche Gangart an. Hierzu passt auch die erhöhte Sitzposition, die ein deutliches Plus an Übersichtlichkeit bringt. So kann ich vorausschauend fahren, sachte Bremsen und den Hobel rollen lassen.

Zum Dank für dieses sachte Umgehen mit dem Gaspedal schafft der 2-Liter Dieselmotor dann auch sensationelle Verbräuche. Im Schnitt fließen sieben Liter Diesel je 100 Kilometer in die Brennräume. Das sind gut zwei Liter weniger als beispielsweise beim Ford Kuga. Aber immer noch knapp zwei Liter mehr, als er eigentlich könnte – eine flache Karosserie voraus gesetzt. Sein Arbeitsprinzip kann er nie verheimlichen. Beim Kaltstart im frostigen Stuttgart wähne ich einen Lanz Bulldog neben mir. Wenn er sich irgendwann warm gerappelt hat, knurrt er zufrieden und behaglich vor sich hin. Allerdings sollte der ambitionierte Fahrer Abstand davon nehmen, ihn zu sehr zu treten. Denn die 143 Pferde reißen die Fuhre nicht so wirklich vom Hocker. Das ist etwas verwunderlich, da der gleiche Motor im nominell größeren BMW 3er eine kleine Sportskanone sein kann. Ob da die Dynamik etwas im xDrive getauften Allradantrieb verpufft?

Wenn es nämlich auf rutschigen Untergründen zu Traktionsverlusten kommt, zieht eine Haldex-Kupplung die Vorderache mit ins Geschehen. Gemeinsam kümmern sich die beiden Achsen dann um den Vortrieb. Bei Bedarf schaufelt die Elektronik sogar bis zu 100% der Motorkraft auf ein Rad, wenn es das einzig verbleibende mit Haftung sein sollte. Es ist wunderbar faszinierend, wie der X1 an einem frisch verschneiten Tübinger Hang steht und im ersten Gang vehement losfährt. Ohne zu Schlingern, ohne zu rutschen und ohne irgendwelche Allüren. Ich muss hier also den Kompromiss zwischen guter Traktion mit xDrive auf allen Wegen oder hoher Dynamik beim sDrive machen. Oder dem X1 einen stärkeren Motor verpassen. Davon mal abgesehen, merke ich, wie der Kerl seine Arbeit verrichtet und freue mich über einen zuverlässigen Begleiter. Mehr braucht‘s doch gar nicht im Winter. Geht doch ganz einfach, oder?

Wie das geht? www.hertz.de
BMW X1 18d
Diesel-Vierzylinder mit
_ 143 PS Leistung und 320 NM Drehmoment
_ 195 Stundenkilometer Vmax
_ 0-100 Stundenkilometer in 9.9 Sekunden
_ manuelle 6-Gangbox
_ 7.0 Liter/100 Kilometer
_ Navigation Business
_Sitzheizung
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