_Wir sind hungrig.

Wie eine ungetüme Wunde klafft die Grube in der Oberfläche. Der Tagebau Garzweiler ist ein Mahnmal für alle Zeiten. Auch wenn bis dahin alle Kohlen verfeuert sind.

Ein tiefer Schnitt in die Oberfläche: Die Braunkohle wird aus 40 bis 210 Meter Tiefe herausgebaggert. Insgesamt sorgen sieben Schaufelradbagger dafür, dass  bis zu 1 Mio. Kubikmeter Erde pro Tag bewegt werden um die Flöze frei zu legen.

Menschenfeindlich: Der Tagebau verdrängt 13 Stadtteile, Ortschaften und kleine landwirtschaftliche Höfe und mit ihnen 7200 Menschen, die umsiedeln müssen. Menschenfreundlich: Der Tagebau verschafft 1700 Menschen Lohn und Brot.

Nichts weiter als Strom: 20% der Energieversorgung Nordrhein-Westfalens geht hier in Rauch auf und kommt in Fernleitungen ins Stromnetz. Zu uns durch die Steckdose.

Verschluckt: Weil die Kohle unter dem Grundwasserspiegel liegt, müssen Unmengen Wasser nachgepumpt werden. Die Folgen sind erhebliche Schäden in den umliegenden Naturparks und Wegsacken des Bodens.

Sie kommt zurück. Die Natur nimmt sich, was ihr gehört. Ein bisschen hilft der Mensch nach. Pläne von RWE sehen vor, dass Flächen von 38,5 Quadratkilometern im Laufe der Zeit rekultiviert werden. Dabei enstehen weitläufige Wasserreservoirs, Naturparks, Waldflächen und Böden für die Landwirtschaft. Irgendwann einmal.

Auf einer Fläche von rund 48 Quadratkilometern soll bis ins Jahr 2045 Braunkohle gewonnen werden. Die dabei zurück bleibenden Oberflächen sind der Versauerung aufgrund ihrer hohen Sulfiddichte schutzlos ausgesetzt. Wenn nach der Schließung des Tagebaus das Grundwasser wieder ansteigt, bleibt die Gegend womöglich auf lange Zeit unbewohnbar. Sofern nicht kontrolliert zurück gebaut wird.

Stromerzeugung in Deutschland 2012: 158 TerraWattStunden aus Kohle – Damit ist die Braunkohle Deutschlands Energielieferant Nummer 1 mit einem Energiemixanteil von gut 25%. Zum Vergleich: Windkraft kommt auf nur rund 7%.

Es geht mittelfristig nicht ohne Kohle. Dafür spielt sie eine zu wichtige Rolle in der Energieversorgung Deutschlands. Sie muss die natürlichen Schwankungen der erneuerbaren Energien auffangen und den Atomausstieg stützen. Ein absehbar alterndes Zugpferd muss politische und wirtschaftliche Interessen unter einen Hut bekommen – mit fragwürdigen ökologischen Folgen. Andere Wege stehen offen und müssen gegangen werden. Die Frage ist nur wann. Beängstigend und beeindruckend zugleich liegt dieser künstliche Canyon in der Landschaft – sichtbar für jeden von uns. Schauen wir hin.

Wo das ist? http://goo.gl/maps/74xLp

Quellen: Gesamtverband Steinkohle, Bundesverband Braunkohle, RWE und bund-NRW.

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