_Gestatten? Dr. Blendemann.

Zwei Blicke. Der erste viel versprechend und euphorisch. Der zweite nüchtern und kritisch. Schon mal erlebt?

Was ist ein Versprechen? Ein Versprechen ist die Zusage für eine Tat, die jemand in der Zukunft vollbringen wollen wird. Jemand verspricht dir das Blaue vom  Himmel. Oder das Goldene vom Ei. Oder dass Ihr auf jeden Fall mal einen Kaffee trinken müsst. Oder dass Daddy heute mal pünktlich nach Hause kommt um den Kleinen zum Fußball zu bringen. „Versprochen.“ – Darin liegt eine Erwartungshaltung. Wird sie nicht erfüllt, enttäuscht der Versprechende auf ganzer Linie. Es ist eine schlechte Tat.

Eine schlechte Tat muss durch fünf gute Taten ausgeglichen werden. Passiert das nicht, bleibt ein fader Beigeschmack zurück. So als hätte der Koch die Suppe versalzen und ihm fallen nur vier Möglichkeiten ein, die Suppe zu retten. Die Suppe ist hinüber. Der Koch kann sie nur noch entsorgen. Bietet er sie dennoch seinen Gästen an, riskiert er seinen guten Ruf. Worauf möchte ich nun eigentlich hinaus? Stellt euch vor, Volkswagen ist der Koch. Der CC ist die Suppe. Und ich bin der Restaurant-Gast. Dann habt ihr eine Ahnung, was jetzt kommt.

Autos wie der Volkswagen CC wollen nicht nur Mittel zum Zweck sein. Eine große Extra-Portion Emotionen will den Käufer überzeugen, sich etwas Besonderes zu gönnen. Und VW mehr Devisen zu überweisen. Dazu kreiert der Autobauer  nach dem Vorbild des grandiosen Mercedes CLS ein viertüriges Coupé. Dass vier Türen und Coupé eigentlich nichts miteinander am Hut haben, lassen wir jetzt einfach mal wohlwollend außer Acht. Ein geducktes Dach, ein langgezogenes Heck, ein bisschen Chrom-Zierrat hier und dort sowie ein grimmig-arroganter Blick sind die Zutaten für einen heißen Augenschmaus. Denkste. Wenn beim genaueren Hinsehen selbst die Rückspiegel vom Kassenpatient Golf stammen, bleibt die Exklusivität auf der Strecke.

Der CC wirkt in allen Belangen etwas übertrieben auf Understatement getrimmt. Anfangs wirkt er noch imposant und überzeugt mit einfacher Zugänglichkeit. Ein Alleskönner, der wie ein guter Party-Gastgeber jeden wärmstens willkommen heißt und charmanten Small-Talk führen kann. Doch kaum sind die ersten Worte gewechselt, hat er sich um andere, offenbar wichtigere Dinge zu kümmern. Die ersten Häppchen sind vom Buffet verschwunden und der Hauptgang kommt dann irgendwie fad. Es fehlt die Würze. Ins Automobile übersetzt heißt das Ganze: Zuerst weiß der CC sehr zu überzeugen. Alles lässt sich passend einstellen. Der Motor antwortet nach der Startbitte mit einem charmant spröden Nageln und die Klimaanlage verströmt sofort angenehme Luft.

Doch viel mehr als warme Luft kommt dann auch nicht. Der Motor fängt zu fortgeschrittener Stunde handfest an zu trinken und verliert jede Manieren. Wie ein Gastgeber, der sich einen zu viel hinter die Binde gelötet hat. Das Fahrwerk wankt wie Wackelpudding zum Nachtisch und die Lenkung ist zwar butterweich aber wenig zielgenau. Immer wieder muss man den einen oder anderen Milimeter nachkorrigieren. Vielleicht bin ich da einfach zu sehr von der bayerischen Küche (BMW) verwöhnt. Aber wenn selbst aus Köln (Ford) feinere Fahrwerks-Kost als aus Wolfsburg kommt, muss VW unbedingt nachlegen. Oder am Geschmack ihrer Kunden arbeiten. Keine Frage: der CC ist ein gutes Auto, das sich aber letztlich zu viele Schwächen leistet. Die vorhandenen Stärken können sie nicht aufwiegen. VW trägt mit dem CC ganz schön dick auf. Und verschluckt sich an seinen eigenen Versprechen.

Wie das geht? www.hertz.de

VW (Passat) CC 2.0 TDI
Diesel-Vierzylinder mit
_ 140 PS Leistung und 320 NM Drehmoment
_ 0-100 Stundenkilometer in 9.8 Sekunden
_ 214 Stundenkilometer Vmax
_ manuelle 6-Gangbox
_ 6.9 Liter/100 Kilometer
_ Verbrauch lt. VW: 4.3 Liter/100 Kilometer
_ Navigation
_Sitzheizung
_Xenon-Scheinwerfer

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