_High Five.

Glück gehabt. Gewinnspiele sind selten so einträglich. Je größer der Gewinn, desto unwahrscheinlicher wird dieser. So habe ich einfach mal mein Glück selbst in die Hand genommen und ein bisschen gespielt. Alles mit Kalkül. Am Ende war das gewonnene Glück knapp eins komma acht Tonnen schwer und bot mir 184 Pferde zum Aufgalopp.

Die hohe Kunst des BMW Fünfers. High Five.

Facebook Gewinnspiele sind inzwischen zur völligen Spamflut verkommen: „Gewinne 10 iPads. Für jeden Finger eins! Klicke auf Gefällt mir! Jetzt voten! Lade deine Freunde ein!“ Am Arsch. Wie also kann man jemanden wie mich hinterm Ofen vorlocken und verzücken? Auf der Facebook-Seite von Hertz Deutschland gab es schon im Februar einen Aufruf, man solle doch im Vorraus schon mal für den März buchen. Und unter Umständen übernimmt die Autovermietung in Gelb dann die Kosten. Das lässt sich so ein passionierter Privatmieter nicht zweimal sagen. Ein Wochenende herausgesucht, an dem ich noch nichts weiter geplant hatte und eine Reservierung eingespielt. Beim ersten Versuch hat das Ganze noch nicht geklappt.

Nagut. Dann eben nicht. Wie an der Börse beobachtete ich die Pinnwand von Hertz-Deutschland. Schließlich konnte Hertz zweimal keinen Gewinner ermitteln. Schade und merkwürdig. Da muss doch was gehen. Der zweite Versuch brachte dann also die erhoffte kostenlose Miete. Und was für eine. Eigentlich hatte ich nur CLMR gebucht. So nennt sich die Kategorie, in der z.B. der BMW Einser gruppiert ist. Da der kleine Bayer mir in letzter Zeit schon öfter als Hertz´ler vor die Nase fuhr (u.a. erkennbar am Dürener Kennzeichen),  habe ich den einfach mal als Wunsch eingetippert. Der Schlüssel auf dem Tresen am Morgen der Abholung war dann auch einer von BMW – nur eben zwei Nummern größer als gedacht. Den Hauch eines Grinses konnte ich mir nicht ganz verkneifen.

Richtig gut. Jackpot. Halleluja. Enorm. Wahnsinn. Ist es zu merken, dass ich mich freue? Schön stand er da in der Tiefgarage. Rundum schwarz wie die Nacht: Lack, Leder, Scheiben und Zierleisten glänzten tiefdunkel im dämmrigen Licht der morgentlichen Rushhour. Mein Blick wanderte hinterm sportlichen Lederlnkrad nach vorne über die nicht enden wollende Motohaube, die den Vorderwagen so sehnig dastehen lässt. Anscheinend hatte hier jemand seine Hausaufgaben gemacht. Nicht zu viel, nicht zu wenig von den Annehmlichkeiten, die Autofahren heute so unfassbar spaßig und entspannt machen. Als hätte ich höchstselbst den Konfigurator bei BMW angeschmissen und mir dieses Schiff auf die Straße gestellt. Fein abgestimmt und nicht zu überladen mit Assistenzspielreien, die kein Mensch braucht.

Da sind diese Sitze. Einfach ein Traum. Bei den beiden mit schwarzem Leder texturierten Gestühlen kommt entfernte Ähnlichkeit mit Steven Spielbergs E.T. auf. Der Außerirdische sitzt als Duo im Raumgleiter-Fünfer und teleportiert mich dem Ziel entgegen. Wenn ich hier Platz nehme, umarmt  mich eine extraterristische Atmosphäre zum Wohlfühlen. Schon mal mehr als 1000 Kilometer am Stück Auto gefahren? Mit dem hier schafft man auch 1000 Lichtjahre. Falls die Menschheit es schafft, irgendwann so alt zu werden. Vorerst reicht aber auch der Ritt über die A2 nach Osten. Wo irgendwann die alte Rennstrecken-Dame Avus ihre Melodie der rauschenden Reifen anstimmt. Schwer fällt das Aussteigen. Zum einen weil ich gut und gerne noch eine Runde drehen könnte. Zum anderen sitze ich so tief gefesselt, dass fast schon sportliche Verrenkungen nötig werden. BMW glaubt offenbar, dass nur chinesische Schlangenmenschen oder Jason Acuña sich einen Fünfer kaufen. Der könnte ihn sich immerhin leisten. Als M.

Ein kleiner Makel. Schließlich ist ein Auto zum Fahren da. Und der Innenraum kann richtig begeistern. Ich gebe zu, dass ich den Piano-Lack sehr heiß finde. Selbst mit einigen Kratzern und den Fett-Fingerspuren einer weiten Autobahnetappe erzählt es noch mehr Geschichten als es irgendein unsagbar angestaubtes Wurzelholz oder ein anonym kaltes Aluminium könnte. Jede Gestik, jedes Gesicht spiegelt sich subtil in der klar gelackten Oberfläche und verändert sich je nach Blickwinkel. Dadurch gewinnt das ganze Gebilde aus Armaturenbrett, Getriebetunnel und Türverkleidungen optisch eine unbeschreibliche Tiefe. Wenn es draußen regnet und Wasser auf dem Panorama Schiebedach in Rinnsalen fließt, wirft das Nachmittagslicht schillernde Farben durch den Innenraum. Ich könnte ewig hier sitzen und dem Treiben der Tropfen zusehen. Musik an. Berlin flüstert von draußen. So ist´s recht.

Ich sitze auf dem Fahrersitz und heben den rechten Arm in Richtung Lenkradkranz. Direkt dahinter ist ein satt klickender Knopf verbaut, der auf den klangvollen Namen „StartStopEngine“ hört. Einen halben Finger breit lässt er sich in Richtung Motor drücken. Beim Loslassen poltert der vermeintlich kleine Diesel im Bug ins Leben, schüttelt sich kurz und verfällt dann in sachtes Säuseln. Eigentlich bin ich der Meinung, dass ein solcher Gleiter mit sechs Zylindern bestückt werden sollte. Wirft man alle subjektiven Eindrücke mal über Bord besteht für diese Ansicht keine Berechtigung. Klar klingt der Sechsender kerniger. Spricht etwas williger an und ist kräftiger. Und obwohl ich ihn schon einmal verteufelt habe: der 20d Motor reicht für dieses Auto. Punkt. Die Berechtigung findet er an der Tankstelle.

Er macht auch ansatzweise Spaß. Doch ich merke schnell, dass der Ölbrenner nicht getreten werden will. Der Fünfer ist ohnehin kein Sportler. Dafür drückt er zu viel Gewicht auf die Achsen, federt zu genüsslich alles Krumme der Straßen glatt. Dafür ist er zu leise, zu weich und er hat einen Diesel, der auch im Sport+ Modus nicht so recht zu Potte kommt. Aber er erzieht den Fahrer, zurückhaltend zu fahren. Beispiel EcoPro Modus: Eine Grafik zeigt an, wie schnell oder vorsichtig beschleunigt wird. Bis maximal 140 Stundenkilometer. Bei höheren Geschwindigkeiten wird ermahnt, langsamer zu fahren. Beim Bremsen wird merklich Energie rekupiert: Obwohl das Pedal nur gestreichelt wird, verzögert die Fuhre deutlich stärker beim Einblenden der EfficientDynamics-Grafik. So wird die Batterie geladen. Und ist erstmal der Stillstand vor einer Ampel erreicht, wird es ruhig im Gebälk. Der Motor schaltet sich dank StartStop-Automatik ab und springt ohne Murren wieder an, wenn es weiter geht. So ist es ein Leichtes, ihn mit sechskommirgendwas zu bewegen.  Mit Dynamics hat das dann nicht mehr viel gemein. Aber efficient ist es allemal.

Es ist die Entdeckung einer neuen Entspanntheit. Mit der unmittelbar erfahrbaren Effizienz erstaunt dieser geballte Technikhaufen ungemein. Klar kann ich das auch selbst. Also sparsam und vorrausschauend fahren und solche Sachen. Aber mache ich das immer und konsequent? Nein. Ab und zu muss auch die A2 mal was schneller hinter mich gebracht werden. Daher ist es sinnvoll, so ein großes Auto zu fahren, die immer wieder als Umweltsünder verteufelt werden. Denn dieses Exemplar ist ein zuverlässiger Raumgleiter, der auf Knopfdruck all sein Leistungspotential abruft oder zum Knausrer wird. Einen tüchtigen Alltagswagen, den dank Rückfahrkamera auch ein dressierter Affe einparken könnte. Er ist ein Ross im edlen Zwirn zum Pferde stehlen. 184 um genau zu sein. Zum Glück.

Wie das geht? www.hertz.de
BMW 520d Touring
184 PS (130KW) sortiert in 8 ZF-Automatik Gängen
Adaptives Fahrwerk + Lenkung
Fahrerlebnisschalter
Navigation Professional
Panorama-Schiebedach
Ledersitze (Marke „E.T.“) mit Memory

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s