_Er fuhr Ford…

…Und kam sogar wieder. Na so schlimm ist Ford nun schon lange nicht mehr. Aber es wäre doch schade, wenn ein Autobauer nichts mehr zu verbessern hätte, oder?

Selten hat ein Auto bei mir so ein „Naja….“-Gefühl hinterlassen. Der Ford Kuga kann sehr viele Dinge richtig gut. Aber nie so souverän, dass es mich umhauen würde. Gleichzeitig leistet er sich einige unerwartete Schwächen, die so nicht zum gediegen grundsoliden Auftritt passen. Einzig allein der kurz bevor stehende Modellwechsel und die damit verbundene Dauer, die das SUV von Ford bereits auf dem Markt ist, kann der Grund sein, warum er sich so…nun ja: Überholt anfühlt. Gerade im Vergleich zu der Flut von Mitbewerbern, wie dem VW Tiguan, BMW X1, Kia Sportage, Skoda Yeti oder dem Audi Q3, um nur einen Bruchteil zu nennen, tritt der Kölner auf der Stelle. Tun wir ihm den Gefallen und kommen wir ihm ein wenig entgegen um den Wagen unter klassischen Autotugenden zu betrachten.

Sein Antritt:
In diesem Exemplar hat Ford seinen hauseigenen 2.0 TDCi (Zwei-Liter-Diesel-Motor) mit einem Sechsgang-Doppelkupplungs-Getriebe verschraubt. Das stellt die wahrscheinlich vernünftigste Kombination dar um Wirtschaftlichkeit und Fahrkomfort miteinander zu verbinden. Doch diese beiden Attribute sind unbedingt relativ zu betrachten. Beim Handschalter würde der Aufbau wohl wegen des weichen Fahrwerks beim Schalten zum Nicken neigen und bei 8.9 Liter Schnittverbrauch kann man wohl kaum von Wirtschaftlichkeit reden. Dennoch steht der Ölbrenner gut im Futter. Er nimmt sich halt, was er braucht und setzt das in relativ souveräne Fahrleistungen um. Ich hatte nie den Eindruck, dass er untermotorisiert daherkommt. Zumindest, wenn man sich im Rahmen der Richtgeschwindigkeit bewegt. Über 130 Stundenkilometer wird es zäh wie lang gekauter Kaugummi. Das Getriebe schaltet fix und spontan, wählt fast immer die passende Fahrstufe vor. Dennoch hätte der ruppige Wechsel vom ersten in den zweiten Gang mehr Feinschliff gebraucht.

Sein Äußeres:
Der Kuga gehört zur Gattung der SUV. Das sind diese hochgebockten Kompaktwagen á la Golf und Konsorten, die mit längeren Federbeinen, einer rustikalen Hülle und manchmal sogar mit einem Hauch Allrad-Technik auf Großstadt-Abenteuer getrimmt werden. Der hohe Aufbau der Karosserie trägt Silber-Metallic und macht zusammen mit den großen Alurädern (Serie bei der Titanium-Ausstattung) ordentlich was her. Leicht schläfrig blicken die Projektorlinsen der Xenonscheinwerfer in die Gegend und rahmen einen scharf gezeichneten Kühlergrill ein. Tief nach unten zieht sich die Schürze, beherbergt Nebelleuchten und einen optischen Unterfahrschutz. Insgesamt steht er sehnig und stämmig auf seinen Rädern. Trotzdem wirkt er für mich wie ein Kompromiss, bei dem viele Entscheider etwas zu sagen hatten und viele Köche verkochen gerne mal die Suppe. Eben weil sie vielen Leuten schmecken muss (Punkt: Absatzzahlen), schmeckt sie nicht jedem (Punkt: Automobile Faszination).

Sein Ausblick:
Das Getriebe wird über einen schicken Wählhebel bedient, auf dem stolz ein „Ford Powershift“ Schriftzug prangt. Überhaupt sind im Innenraum viele Beschriftungen verteilt. Manches Symbol würde da auch genügen, wohingegen die verwendeten Signets teils echte Rätsel aufgeben. Ausprobieren hat noch Niemandem geschadet. Hat man die Schalter erst einmal verinnerlicht, klacken sie satt und die Bedienung geht so gut wie blind, im Dunkeln sowieso, weil sie nicht beleuchtet sind. Verlaufen kann man sich im unerwartet engen Innenraum so oder so nicht. Da bleibt wenig Platz für Entfaltung. Bis auf die sensationell große oder vielmehr tiefe Ablage unter der Armlehne, gibt es auch nicht sonderlich viele Ablagen. Das hat den Vorteil, dass alles immer schön sauber und aufgeräumt bleibt. Für viele Funktionen hält der Touchscreen eine Schaltfläche bereit. Die Klimaautomatik kühlt und wärmt zugfrei, dass ich erst an einen Defekt glaube. Aber nein. Sie ist einfach nur überraschend gut. Auch das Navi begleitet sicher ans Ziel. Wenn auch das Kartenmaterial eines aktuellen Jahrgangs entstammen könnte. Einmal landeten wir neben der Straße auf einem Feldweg hinter der Leitplanke. Da wollte der Kuga halt ein wenig Abenteuer.

Sein Auftritt:
Es sitzt sich königlich so weit oben. Die Übersicht des Wagens ist phänomenal und trotz der abgerundeten Ecken vorne wie hinten, lässt er sich zielgenau um die Kurven werfen. Das liegt zum einen an der gleichmäßig übersetzten und direkten Lenkung und am etwas weichen aber trotzdem souveränen Fahrwerk. Das können die Kölner ja auch im Focus richtig gut. Eigentlich steht hier ein grundsolides Auto. Für das Grobe ist er aber nicht gemacht. Dazu fehlt ihm das Gelände-Handwerkszeug wie ordentliche Bodenfreiheit oder eine Untersetzung. Und auf der Straße fängt er vergleichsweise schnell an zu saufen wie ein Ritter beim Trinkspiel und wankt dabei auch wie der Adelsmann nach 15 Schnaps. Nein, es gibt deutlich sparsamere und spritzigere Autos. Doch der Erfolg gibt Ford Recht. Sie verkaufen viel Auto für faires Geld. Das ist es, was die Leute lockt. Und die hohe Sitzposition, der bequeme Einstieg und die gute Übersicht, der geringe Verbrauch im NEFZ-Zyklus…Man könnte noch andere Argumente finden, um ihn sich schön zu reden. Deshalb prägt er häufig das innerstädtische Straßenbild. Vielleicht muss ich noch in das Alter kommen, in dem mir solche Stelzen auf Rädern die Sinnhaftigkeit glaubhaft machen können. Naja…

Wie das geht? www.hertz.de

Ford Kuga
140 PS TDCi
Powershift Doppelkupplung
Permanenter Allradantrieb 4×4
195 Stundenkilometer
8.9 Liter Diesel im Schnitt, 11,5 Liter Diesel bei 150km/h
Titanium-Sportsitze
Navigationssystem mit Touchscreen
Tempomat

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