_Tor zur Seidenstraße.

Der Typ nennt uns „Junkies“. Und wir lachen auch noch darüber. Als wären wir süchtigNach Freiheit. Oder dem Gefühl davon in einem Landrover.

Nein man kann über Land Rover sagen, was man will. Aber eines haben sie mit ziemlicher Sicherheit geschafft: Unter indischer Regie (Tatamotors) souverän zu bleiben. Früher dachte ich einmal, so ein Land Rover oder der große Range Rover wären unnahbare Ungetüme aus grauer automobiler Vorzeit. Als es noch richtige Adelssitze mit ordentlichen Parkanlagen zum Wühlen und Jagen gab. Und der blaublütige Hochadel sein Geld noch standesgemäß mit Steuerneintreiben und Sklavenhandel oder so verdiente. Und der Range dazu diente, mit dem Butler am Volant der Familie am Sonntag den Picknickkorb hinter her zu fahren. Ein Land Rover war für mich ein Haus auf Rädern. Von schlichter Eleganz, ohne Schnörkel und gebaut für die Ewigkeit zeugt seine Erscheinung von Wohlstand und Sicherheit. Heute sehe ich ein Auto aus dem Hause Land Rover und denke mir: Gute Wahl, die Dame. Oder der Herr. Wir haben es ja oder müssen etwas beweisen.

Nun. So ist es nicht. In erster Linie versprüht er Qualität und Souveränität. Dieses Auto hat richtig was auf dem Kasten. Wenn man ihn nur lässt. In seiner natürlichen Umgebung fährt er alles kurz und klein, was ihm vor die Räder fällt. Ob Staub, Stock, Sand oder Stein, der Landi macht sie alle klein. Was für ein schlechter Reim, der muss jetzt wirklich nicht sein. Aus. Zur Sache. 2013 fährt Land Rover mit dem Evoque auf der ehrwürdigen Seidenstraße gen Osten. Dafür braucht das Team Verstärkung und lädt im Vorfeld schon dieses Jahr zu Qualifikationscamps ein. Und die sollen in erster Linie Spaß machen. Hat man uns gesagt. Und um es vorweg zu nehmen: Das tut es. Instruktoren, die richtig Laune haben und ihr Handwerk verstehen, begleiten durch die einzelnen Stationen. Vom Navigieren per GPS-Modul über einen durchaus anspruchsvollen Fragebogen oder Slalom-Tore-Fahren mit einem Funkferngesteuerten Defender geht es dann endlich hinters Lenkrad. Natürlich nicht, ohne vorher ein ordentliches politisches Statement zu setzen, indem ich das Tor von China umfahre. Knie nieder, Diktatur!

Umfahren ist ein gutes Stichwort. Denn genau das Gegenteil ist die Aufgabe im Trail mit dem Range Rover Evoque. Auf den hölzernen Stangen sind gelbe Golfbälle drappiert, die es an Ort und Stelle zu lassen gilt. Damit es auch nicht zu einfach wird, stehen noch Pendel bereit, an dem ebensolche Golfbälle aufgezurrt sind. Die angeklappten Seitenspiegel des Evoque sollen diese streifen und in Bewegung versetzen. Was bei den Profis locker und leicht von Hand geht, erfordert bei uns einiges Umdenken. Wo fängt das Auto an, und vor allem: Wo hört es auf, damit man die Stangen nicht mit dem Rad umdrückt? Als wäre das noch nicht genug, kommt noch die Faszination des Gefährts an sich dazu. Seit dem Marktstart, den ich intensiv mit verfolgen durfte, wollte ich mich hinters Steuer setzen. Und nun alles auf einmal. Der Bug des Evoques ist relativ unübersichtlich, die Räder schauen weit links und rechts aus der Karosse hervor und machen das Fahren im Parcours etwas holprig trotz gegenseitiger Hilfestellung. Zehn Fehlerpunkte schlagen am Ende zu Buche. Dass es besser geht, beweist ein Teilnehmer mit einem Punkt. Respekt.

Gelände kann er schon mal. Der kleinste Range Rover. Mit seinen fünf Fahrprogrammen, die nach der Einweisung durchaus ihre Berechtigung haben, kommt er fast überall hin. Sofern der Mut und die Umsicht des Fahrers das zulassen. Auch der Gasfuß muss sensibel eingestellt sein, weil der Motor Vorwärtsdrang beweisen will. Penibelst darauf bedacht, den Gedankengängen des Fahrers zu folgen, sie gar vorweg zu nehmen, wirkt der Evoque bisweilen einen Tick zu nervös. Andererseits ist dieses spontane Reagieren auf Fahrtbefehle keine schlechte Eigenschaft. Mit ein wenig Eingewöhnungszeit sind im Gelände sicherlich schwindelerregende Fahrmanöver drin. Wie der Evoque sich auf der Straße schlägt? Davon gibt es leider keine Eindrücke. Genügend Kraft hat er in jedem Fall. Die Automatik schaltet spontan und ruckfrei, die Lenkung ist leichtgängig aber direkt. Um die Mittellage fast ein bisschen spitz. Aber ich bin gespannt, ihn einmal längere Zeit in Augenschein zu nehmen.

So wie der Land Rover Defender, den wir über eine Etappe im Gelände bewegen können. Er ist ein Geländewagen aus alter Schule. So richtig mit Kupplung, zwei ordentlichen Knüppeln zur Getriebesteuerung und natürlich ohne irgendwelchen Schnick-Schnack wie elektronisch geregelten Fahrprogrammen. ABS und Traktionskontrolle hat er seit dem 2012er Jahrgang – das war‘s dann aber auch schon. Generell ist der Defender ein schräges Fahrzeug. Der Fahrer sitzt extrem weit außen. Das muss so sein, wird uns erklärt, weil so ohne große Verrenkungen die Radkästen zu sehen sind und millimetergenaues Fahren ermöglicht wird. Dazu kommt noch der enorme Versatz der Pedalerie im Fußraum. Gas, Bremse und Kupplung stehen nicht etwa zentral unterm Fahrersitz, sondern technisch bedingt etwas nach rechts eingerückt. So patscht man mit den Füßen ins Leere und weiß nicht so recht, wohin nun damit. Das alles hat aber paradoxerweise zur Folge, dass die Konzentration auf das Wesentliche merklich zunimmt: Das Fahren.

Dem Fahrzeug wird unwillkürlich ein Gros an Aufmerksamkeit geschenkt, alles andere ausgeblendet. So ist die Gewöhnungsphase an die ruppige Kupplung kurz, obwohl der Pedalweg lang ist und der Kraftschluss plötzlich kommt. Das Abwürgen des Motors passiert schnell mal. Die Bremse ist genauso spitz wie wirkungsvoll. Die Federung gefühlt nicht vorhanden und spricht so trocken an wie Holz zum Feuermachen. Der Instruktor erklärt uns noch einmal: Das muss so. Also Untersetzung rein, das Mittendifferenzial gesperrt und schon kraxeln wir los. Die Untersetzung macht, dass wir im zweiten Gang bei 2000 Touren die 35% Steigung im Dauerlauftempo nehmen. Was sich echt schräg anfühlt. Dann geht es von der Betonpiste über sandige Waldwege, später über Stock und dann über Steine. Bis wir vor einer Wand aus Totenkopf-großen Felsbrocken stehen. Oh, da scheint es jetzt also nicht weiter zu gehen. Nicht so für den Defender. Im ersten Gang mit Standgas schieben sich die 122 Pferde nach oben. Nur der Himmel und die Baumkronen der brandenburgischen Kiefern sind zu sehen. Die Räder verschränken sich merklich, ziehen die Karosse schunkelnd hinterher und unseren Gesichtern ein dickes Grinsen ins Gesicht. Wo nimmt der Kerl bloß die Kraft her?

Wie faszinierend Technik sein kann. Gerade dann, wenn vom Auto einige Finger- und Fußfertigkeiten abverlangt werden. Wir steigen vom Defender in den Land Rover Discovery um. Vom Konzept ähneln sich die beiden Geländewagen. Das war‘s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Von außen wirkt der Discovery kompakter, als er wirklich ist. Seinen Beinamen „Schiff“ kaschiert er jedenfalls prächtig. Wird allerdings der Fahrersitz geentert, fällt der Blick auf einen massiven Mitteltunnel, massige Armaturen und auf ein großes Lenkrad. Der Innenraum ist so groß, dass wir ein Echo erwarten, als der Instruktor uns anweist, wie wir die Untersetzung aktivieren, dem Getriebe manuell auf die Sprünge helfen und wie wir schwimmen können. Also waten mit dem Auto. In hüfttiefem Wasser. Wir scheuchen den 2,7 Tonnen schweren Discovery durch die Walachei, wühlen Staub auf, verfehlen Bäume um Zentimeter. Doch ihn juckt das überhaupt nicht. Die 256 PS fühlen sich dank Untersetzung doppelt so stark an. Spielend geht er mit den Elementen um. Für den Fahrer ist es noch nicht einmal Arbeit. Ganz im Gegensatz zum alt-ehrwürdigen Defender. Unterschiedlicher könnten zwei Autos einer Marke kaum sein. Und dazu gehört Land Rover unbedingt ein dickes Lob ausgesprochen. Sie machen beide so unfassbar viel Spaß, wenn sie in ihrem natürlichen Jagdrevier ausgeführt werden und sie ein wenig an der langen Leine lässt.

Wie das geht? www.landrover-experience-tour.de
Fotos: Peter Besser, Max Jost

Range Rover Evoque:
150 Diesel-Pferde aus 4 Töpfen serviert von 8 Gängen
5 Fahrprogramme davon 4 für‘s Grobe (Terrain Response)
Co-Designerin: Victoria Beckham
…Und trotzdem extrem cool
 
Land Rover Defender
122 Diesel-PS aus 4 Zylindern
6 Gang manuell
Geländeuntersetzung
360 NM zum Armdrücken mit Felsbrocken
 
Land Rover Discovery SDV6
256 PS Diesel-Sechszylinder
600 NM Drehmoment (reicht)
5 Fahrprogramme davon 4 für‘s Grobe (Terrain Response)
Metall gewordene Souveränität
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