_Dicker Dampfer.

Hätte Range Rover die Titanic gebaut, wäre der Eisberg gesunken.

Eine massive Festung auf vier Rädern wartet da in der Tiefgarage von Hertz. Davon ahnen wir noch nichts. Erst als wir den Schlüssel ausgehändigt bekommen, schwahnt uns Böses. Da muss jemandem ein kleiner Tippfehler unterlaufen sein. „4.4 V8 Range Rover“ stand da in schwarzen Lettern auf dem Anhänger. Wie bitte? In dem Hubraum kann man übernachten. Wozu haben wir nochmal ein Hotel gebucht? Solche Motoren werden normalerweise nur in Schiffen verbaut. Ein dreckiges Grinsen macht sich breit. Lasst uns CO2 produzieren. Ein Rüpel wie der Range pfeift auf eine weiße Umweltweste.

Lange habe ich mich nicht mehr so vorsichtig einem Auto genähert. Der Range ist größer als ich. Er überragt mich um eine Hand breit. Um auf den Fahrersitz zu gelangen braucht man ein Leiter und nimmt am besten noch eine Sauerstoffmaske mit. So hoch ist er. Die Räder gehen mir bis knapp übers Knie, die Motorhaube endet bauchhoch und unter den ausladenden Seitenspiegeln kann man ohrthopädisch gefahrenlos Limbo daher tanzen. In der Tiefgarage kommen erste Zweifel in die Zwei Meter Zwanzig Durchfahrtshöhe auf. Die Türgriffe zu umfassen erfordert schon etwas Selbstvertrauen in die Zugkraft der eigenen Oberarme. Bekomme ich diese massiven Portale überhaupt auf?

Papperlapapp. Wenn sich die reichen Damen aus den sub-urbanen Vorstädten nicht die Fingernägel an ihrer Range-Flotte abbrechen, dann wird das ja wohl ein Klacks sein. Und verrückt: Die Türen öffnen unerwartet leichtgängig. Erst ein leises Klicken, dann ein sattes Schmatzen und schon kann der Fahrerthron erklommen werden. Es fühlt sich an wie ein Ritterschlag. Mein geadelter Po sitzt auf feinst perforiertem Nappa-Leder, durch das sanft angenehm kühle Luft an den Allerwertesten gefächelt wird. Ich greife in ein schweres Lenkrad. Oder viel mehr Steuerrad. Alles, was wie Holz und Metall aussieht, scheint auch welches zu sein. Es klickt und rastet alles wohlfeil abgestimmt wie ein Sinfonie -Konzert auf einem englischen Jagdschloss. Nichts klappert oder knarzt.

Ich habe die wage Vermutung, dass die Mannen, die den Range Rover zusammenschrauben, als Qualitätsprüfung eine Handgranate in den Innenraum werfen. Erst wenn sie hochgegangen und alles an seinem Platz geblieben ist, darf der Wagen an die betuchte Kundschaft ausgeliefert werden. Natürlich nicht, ohne vorher noch einmal alles auf Hochglanz poliert zu haben. Den Handgriff aus massivem Stahl (für Aluminium fühlt er sich zu kühl an) könnte Gollum direkt in den Feuern Mordors aus den Überresten des Rings geschmiedet haben, bevor er seinen Weg in die Tür gefunden hat. Daneben ist höchstfein der Range Rover Schriftzug ins Holz gelegt worden. Eine selbstbewusste Präsentation der eigenen Handwerkskunst oder hat man Angst, dass der Fahrer vor lauter Durchlauchtheit vergisst, worin er sitzt?

Es gibt eine Serie von Werbeplakaten. Die einen oder anderen werden sie kennen: Audi schreibt über seine vier Ringe „Liebe“. Mercedes hängt ein Plakat daneben und tituliert seinen Stern mit „Sex“. Subaru findet das ganz schön witzig und proletet mit seinen 15 Weltmeister-Titeln im Rally Sport. Bentley ist das alles höchst egal. Da sitzt ein stattlicher Mann im Ohrensessel und zeigt dem Betrachter den Mittelfinger. Natürlich ist das als Seitenhieb auf Audi, Mercedes und Subaru gedacht. Und jetzt kommt der Range Rover. Und tritt allen mit Anlauf in den Arsch. So fühlt es sich an, einen V8 Ölbrenner von der Insel zu fahren.

Das muss der Grund sein, warum der Wagen im englischen Hochadel genauso beliebt ist wie bei russischen Oligarchen, italienischen Mafiagrößen oder deutschen Industriellen-Frauen. Es gehört schon eine gewisse Arroganz dazu, sich so einen Ausdruck von Verdorbenheit in die Auffahrt zu stellen. Man muss der Klientel aber auch ein wenig Verständnis entgegen bringen. Sie kennen es nicht anders. Denn den Range Rover gibt es seit etlichen Jahrzehnten und schon seit jeher genießt er besten Ruf in eben jenen Kreisen. Er scheint unzerstörbar, fährt sich wie eine Sänfte durch alle Unwägbarkeiten und umschließt die Insassen sicher in seinem Kokon aus Leder und Metall. Der ganz normale Autoverkehr existiert für ihn einfach nicht mehr.

Das souveränste Attribut am Range ist aber nicht sein Image oder seine Qualität. Sein Motor trägt einen erheblichen Teil zum Gesamtpaket bei. Gut. Er säuft wie ein Loch. Im Schnitt fließen knapp 13 Liter auf 100 Kilometer durch die Dieselpumpen. Egal bei welcher Fahrweise. Aber die Öltropfen werden so frenetisch verbrannt, als ahnten sie, dass sie zu einer aussterbenden Spezies gehören. Sie feiern ein emotionsschwangeres Fest schmutziger Töne. Der V8 bollert und poltert, rüpelt und klatscht sich selbst Beifall. Beim Fahren stellt sich immer mal wieder ein besonderes Erlebnis ein: Wenn man beim Beschleunigen unter Volllast das Gas lupft, zischt und pfeift es unter der Motorhaube wie ein Stier auf Torero-Jagd. Ein Ausatmen. Bevor er wieder Luft holt und der nächste Kleinwagen oder Motoroller im Ansaug-gitter zappelt. Wie gesagt: Umwelt ist nicht so sein Ding. Aber er macht unfassbar viel Spaß.

Wie das geht? www.hertz.de

Range Rover Vogue
4.4 Liter V8 Diesel Motor
313 Pferde sortiert von 8 Gängen
Permanenter Allradantrieb getragen von einer Luftfederung
Verbrauch: zu viel
Navigation
Glasdach
Sitze rundum beheizt und gekühlt, elektrisch justierbar
Xenonleuchten mit variablem Stadt- und Autobahnlicht

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s