_Mit dem A3 auf den Brocken.

Peter, sage ich zu mir selbst, was hast du dir nur wieder dabei gedacht. Gedacht? Denken? Liegt mir fern. Wozu etwas gründlich überlegen, wenn es am Ende doch anders kommt. Ich bin ja von Natur aus ein eher schusseliger Mensch. Schusselig. Das ist ein Wort für vergesslich. Aber das nicht mit Absicht. Sondern weil es sich einfach nicht ergibt. Wer auch immer das gewesen sein mag, der mir diesen Flo ins Ohr gesetzt hat, auf den Brocken zu fahren. Mit dem Auto. Völlig bescheuert. Warum? Der örtliche Harzer wird es dir sagen: Weil´s nicht geht.

Da habe ich so ein arg schräges Bild vor Augen. Nämlich auf den einen Berg da im Herzen Deutschlands zu kutschen um ihn zu besteigen. Nein. Nicht zu Fuß. Aber dafür mit der maschinenbetriebenden Selbstfahrerkutsche. Weil neben der Tatsache,  dass ich schusselig bin, kommt Faulheit auch noch hinzu. Faulheit ist ein Begriff für Bequemlichkeit. Bequem sein ist toll. Denn da kommt man in den Genuss von Klimaanlagen, Musikbeschallung und elektrisch zu betätigenden Fensterhebern. Sogar den Allerwertesten kann man sich dann wärmen lassen. Gesäßheizung sei Dank. Tut aber nicht so gut bei ungefilterten Sonnenstrahlen. Denn dann fängt man ja an zu schwitzen. Und das machen bequeme Menschen nicht.

Also wird auch nicht lange um den heißen Brei herumgeredet. Da werden  Nägel mit Köpfen gemacht und eine Neun-Tages-Reise aus den Vollen geschöpft. Auch wenn mein Kopf dabei rollen sollte. Hauptsache erstmal machen. Alles andere ergibt sich dann von ganz alleine. Unbedacht wie ich bin verlasse ich mich auf den lokalen Vermieter von automobilen Träumen. Und wurde verlassen. Von allen guten Geistern. Eigentlich fahre ich furchtbar gerne mit einer bayerischen Heckschleuder durch die Gegend. So war es gewünscht. Nix da. Jetzt halbiert sich mir das Vergnügen, indem verdoppelt wird:  Statt zweier Nieren gibt’s vier Ringe. Aber ruhig Brauner. Schweig! Der fährt dich auch nach Braunschweig. Ich muss ihn ja nicht gleich in die Luft jagen. Nur ein wenig über die bundesdeutsche Autobahn. Alleine auf dem Fahrersitz. Und ohne dass der CD-Wechsel-Apperat auch nur ein Musikstück abspielen will. Keine EmPeDrei-Funktion. Hallo ist da jemand?

Die Stille bekommt mir nicht so wohl. Von nun aber bin ich in bester Gesellschaft. Es hilft, dass mich wieder jemand wachrüttelt. Denn ich schlafe auch furchtbar und gerne. Tief und fest und träume von den Sonnenstrahlen hoch oben auf dem Gipfel des Berges. Werde aber jäh herausgerissen aus meinen verschwenderischen Planungen: „Peter! Mensch du! Man kann da gar nicht hochfahren.“ – Wie jetzt. Und schon lande ich in einer Bruchlandung unsanft auf dem Boden zu Füßen der Tatsachen und des Brockens. Irgendwo mitten im Harz. Und da wird uns ganz Elend vor Sorge.

Wo es uns dann auch hin verschlägt. Eingekreist von Bergen und Bäumen, Hügeln und Sträuchern liegen diese kleinen Ortschaften wahrscheinlich bald schon verlassen in der Gegend herum. Idyllisch zieht sich die Schmalspurbahn an den zum Verkauf stehenden Bahnhofsgebäuden entlang. Es keucht der Dampf schwer fauchend auf den kurvigen Gleisen. In der Ferne der Walachei gibt die Dampflok flehend Signal. Als käme sie aus einer Zeit, in der alles besser war und der sie nachtrauert. Das macht aber nichts. Der Dampfkoloss passt zum Bild, zu den brettervernagelten Häusern und den ungeschnitten Vorgärtenblumen. Aber wie alte, knochige Rosen leben diese Dörfer ihren spröden Charme und werfen so ihre ganz eigene Schönheit in die Kameralinsen der Betrachter.

Etwas durch die Fotolinse zu bestaunen und dabei auch noch irgendwo wandern zu gehen macht uns zu Touristen. Touris im Neudeutschen. In den Brocken am Brocken im Harz lässt es sich herrlich klettern und dem Waldwindrauschen zuhören. Und den Hals verrenken, wenn man nicht aufpasst. Denn statt direkt nach Schierke hinein zu fahren, verschlägt es uns geradeaus in eine Einbahnstraße zu deren rechten Seite sich der eine oder andere Felsen aus dem Walboden erhebt. Nichts wie ausgestiegen und los. Ab hoch da. Wann kommen wir schon noch einmal hierher? Eher selten. Und dann scheint die Sonne.

So verharre ich in aller Stille vor dem Berg. Es ist wirklich ruhig hier. Das macht gelassen wie eine hundertjährige Schildkröte. Es entspannt bis in die vom Wind zerzausten Haarspitzen. Die Pfifferlinge im Essen schmecken intensiver. Mehr ursprünglich, mehr nach Erde. Unterstützt von ein paar verirrten Sandkörnern. Wir stehen so lange hier und warten vor dem Wartehäuschen, bis es uns dahin zieht, wo es aussieht wie das glatte Gegenteil. Die Hügel werden Häuser sein, Die Kurven zu geraden Straßen, die Wälder zu Parks und die Wasserfälle zu Flüssen. Es wird topfeben und in den Töpfen selbst wartet das eigens gekochte Essen.

Es wartet Berlin. Und der Spreewald. Und wieder Berlin. Und wieder der Spreewald. Und dann auch noch Hamburg. Hätte ich fast vergessen. Ich Schussel. Da habe ich dann einfach nicht mehr dran gedacht. Genauso wie an die arg reglementierte Geschwindigkeit beim Abstieg vom Harzgebirge. Hier waren nur sechzig Sachen erlaubt. Ich halte mich nicht daran und zack! Gibt es bald ein Schwarzweißfoto mehr in meiner Galerie. Nicht geschossen vom Beifahrersitz aus. Eher schon vom Starenkasten am Straßenrand. Da war das Vögelchen. Und der Audi zu schnell. Fährt sich anscheinend doch gar nicht mal so übel, wenn man so dahinfliegt. Mit vier Ringen, zwei Insassen und einem Ziel. Unfassbar.

www.sixt.de

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