_Nur der Nürburgring

Vorfreude? Verdammte Hacke, ja man! Die Nordschleife in der Eifel zählt zu den schönsten Rennstrecken der Welt. Warum eigentlich? Sie ist nicht besonders hübsch, nicht stylisch, nicht topfeben, hat Sprungkuppen, nicht einsehbare Kurven. Sie ist nicht gnädig. Sie ist nicht einfach zu fahren. Auslaufzonen sind nicht vorhanden. Kiesbett? Die beschränken sich aufs Allernötigste. Walter Röhrl sagt, dass er für alles unter acht Minuten keinen Helm aufsetzt. Sein Beifahrer und jeder andere täte aber gut daran. Er ist der Einzige, der es so locker und doch respektvoll über die Lippen bringen darf. Es ist der Mythos einer 20,832.com Kilometer langen Teststrecke aus den frühen Anfängen des Motorsports. Seit 1925 Immer wieder verbessert, umgebaut, verfeinert, erweitert hat sie doch nie ihr Gesicht verloren. Die Nordschleife. Grüne Hölle. Oh du sinnlich fröhlich Frohlockende.

Wir brauchen hier keine Vier.Sterne.Hotels. Weil wir auf Matsch stehen. Und darin versinken. Weil unsere Autos geputzt werden wollen, wenn sie sich genauso vollsauen wie wir beim Versuch, am Brünnchen einen Zeltplatz zu erklimmen. Wir lieben den Duft von Dixieklos und Lagerfeuer in auf Grillrosten, Rund.um.die.Uhr.Schlager.Beschallung, den Klang der Autos, die in die Senke prügeln und anschließend wieder hinauf schreien. Den Knall beim Runterschalten, das Röcheln, Pfeifen und Kreischen beim Herausbeschleunigen. Ratzepeng!

Es gibt nichts Besseres als sich am Abend vor dem Rennen auf die Strecke zu stellen, sich dort zu verewigen und beim Bierkistenrennen das Knie hautfrei zu schleifen. Mit denen zu feiern, die genauso bekloppt sind wie wir. Und sich bei Wind und Wetter, bei Kälte in der Nacht und Hitze am Tag an diese Strecke stellen und sich das Trommelfell massieren lassen. Nein, über den Reiz dieser Diva des Motor.Rund.Strecken.Sports kann nicht genug geschrieben werden. Huldigen wir sie. Verehren wir sie. Beten wir sie an. Amen.

Männer und Frauen. Lasset uns freuen. Vorfreuen. Und Zurückdenken an letztes Jahr. Wo Audi die Pole fährt, Porsche überlegen ist, der erste Ferrari bei den 24h für eine Überraschung sorgt und sich ein Getriebe-kränkelnder BMW ins Ziel humpelt. Und das verdammte Ding gewinnt. Unfassbar gut. Spannend bis zum Schluss und eine Nervenschlacht wie es kaum besser in einem Drehbuch geschrieben werden könnte.

Für den Mamerow Porsche kommt schon nach rund fünf Stunden das jähe Ende einer eigentlich vielversprechenden Fahrt. Ein Unfall rupft dem 911er die Federn und die Frontschürze ab. Kühlerschaden, der LKW zum Bergen des gestrandeten Über-Elfers kommt nicht durch den Verkehr an der Zufahrtsstraße. Es geht unheimlich viel Zeit verloren. Die Top-Drei-Platzierung ist damit futsch. Aus und vorbei. Aber das ist Racing. Das Material muss es hergeben. Und wenn nicht, bleibt hoffentlich alles Fleischliche gesund und munter.

Den Leuten unterdessen gefällt es ungemein, Christian Mamerow und sein geschundenes Baby so nahe zu erleben, den Porsche knisternd abkühlen zu hören und die heißen Brembos in den RAYS-Rädern zu erfühlen. 2011 soll der Mercedes AMG GT3 den Stolz von Mamerow Racing wieder gerade richten. Dass dieses Konzept Potential besitzt, beweist das Auto schon in der VLN. Mit einem Motorsound, der so dreckig klingt als käme er direkt aus dem regennassen Schlamm bei der Zufahrt an Kilometer 17. Auferstanden. Machet, Chris!

Für Unterhaltung sorgen nicht nur die Topteams. Es ist der ganz besondere Reiz der Vielschichtigkeit an Fahrzeugen und Konzepten. Hier ist einfach alles vertreten, was im Automobilbau Rang und Namen hat oder sich solchen verdienen möchte. Kleine Privatteams wie große Teams mit Werksunterstützung ballern sich das Benzin, den Diesel oder das Gas um die Ohren, als würde es nichts Schöneres geben. Turbomotoren hier, Frontantrieb dort, hier flüstert sich ein BMW 120d durch das Brünnchen, da knallt der Erdgass.Scirocco um die Ecke, ein Lexus jubiliert die V10 Posaune wie es sie einst nur in der Formel1 gab und der Hybridporsche pfeift sich sein Lied der gerade verzahnten Renn-Getriebe-Räder.

Räder pfeifen auch beim Falken Drift Team wie der Italiener der Blondine hinterher. Zur Einstimmung und wahrscheinlich auch um die Strecke schön griffig zu gummieren schicken die Organisatoren reichlich Showprogramm vorneweg. Und die Jungs lassen es richtig krachen und zeigen den Leuten, wie man sich die Stecke durch das Seitenfenster anschaut. Quer. Schnell. Und mit einer Nebelmaschine namens BMW Reihensechser Heckantrieb.

Es gibt einen Parkplatz auf der Nordschleife, der mittlerweile Kult geworden ist: die Steilstrecke. Ein monströses Betongerät aus den Anfängen des Nürburgrings. Teilweise 27% Steigung auf einer geriffelten Betonpiste verlangten damals allen Autos Höchstleistungen ab. Setzt du einen Fuß darauf, musst du bedenken, dass es einer Bergwanderung gleichkommt, hinab oder hinauf zu steigen. Und bitte tut mir den Gefallen: Lasst die FlipFlops im Schrank. die machen sich gar nicht gut. Was geht ist das Erklimmen mittels Auto. Eine wirkungsvolle Handbremse vorrausgesetzt. Die Steilstrecke wieder als Teil der Nordschleife integrieren? Hm. Nein. Dann würde mir das Karussell fehlen. Und das geht ja mal gar nicht. Sorry Initiative ProSteilstrecke.

Wenn es neun Uhr Abend wird und so langsam die Nacht über der Eifel hereinbricht, die ersten Ermüdungserscheinungen beim Feiervolk zu merken sind und die Sonne ihr abendliches Dämmerlicht über die Wälder schickt, kann jeder verstehen, warum so eine Magie von diesem Ort ausgeht. Eine Anziehungskraft wie ein Magnet das Eisen, wie das Licht die Motten anzieht. So unbeschreiblich und doch viel zitiert. Die Nordschleife ist ein Mekka der Menschen, die Autos lieben und sie nicht nur als reines Transportobjekt sehen. In ihnen steckt eine Seele, die sich beim Ritt über das schmale Asphaltband so richtig austoben kann. 
Nein. Wir brauchen kein Disneyland mit Achterbahnen am Ring. Was wir brauchen sind Menschen wie wir. Und Walther Röhrl, Patrick Simon, Chris Mamerow, Uwe Alzen, Olaf Manthey und wie sie alle heißen. Autos, die fetzen. Karren, die klingen. Erlkönige, die fliegen. die VLN und die 24h. Nicht mehr und schon gar nicht weniger. Es wird groß, es wird schnell und der Sieger steht noch in den Sternen über der Eifel. Ungewiss. Und genau darauf freust du dich. Save the Ring. Wir sehen uns.

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