_Hamburg Auswärtsspiel.

Der Anlass, nach Hamburg zu fahren, ergibt sich manchmal ganz von alleine. Da gibt es eine Fußballmannschaft, für die dein Herz schlägt und für die es sich lohnt, pro Minute Spielzeit 80 Cent zu bezahlen. Über die Ticketpreise denkst du gar nicht mehr nach, wenn du im Gästeblock stehst und die Gänsehaut der Gradmesser für die Lautstärke der Gesänge ist. Nehmen wir den Anlass zum Anlass, sich mal wieder in einen Mietwagen zu setzen und sich auf den Weg zu machen. Eine Reise auf der Autobahn, gesäumt vom flachen Münsteraner Lande.

In Hamburg angekommen gerät die Parkplatzsuche zum Geduldsspiel. Ein Auto schiebt sich hier unter das andere. Geradezu abenteuerliche Versuche, meine kleine Lady irgendwohin zu stellen, werden zum Drahtseilakt zwischen halblegal vor leerstehenden Einfahrten zu stoppen und das Risiko eingehen, einen Zettel unterm Wischer zu haben oder eben das Auto am nächsten Morgen beim örtlichen Abschleppdienst auszulösen. Nichts desto trotz steht der gute Einser irgendwann im zeitlich begrenzten Halteverbot zur Hälfte auf der Straße. Nur irgendwann ist das auch egal. Weil hier ohnehin jeder seinen fahrbaren Untersatz hinstellt, wo es gerade passt.

Vielleicht hätte ich besser mit dem Fahrrad kommen sollen. Dann wäre ich um 1456 Kalorien ärmer, hätte etwas für das Umweltgewissen getan und der Parkplatz stünde im Treppenhaus zur Verfügung. Aber ganz ehrlich? NIEMALS! So einem Platz im Einser tauscht niemand auch nur freiwillig, der einmal darin gesessen hat.

Nicht einen Roller, nicht irgendein anderes Fortbewegungmittel würde ich dem kleinen Schwarzen gerade vorziehen. Allerlei Einheitsbrei siehst du dann auf den Zweirad.Abstell.Plätzen. Rote Vespas noch und nöcher. Es ist wie mit dem iPhone: Die Uniformität des Individualismus spiegelt sich in der allgemeinen Geschmacksverträglichkeit. Was funktioniert, wird weiterempfohlen. Es ist ein Trend. Oder eine Bewegung. Ich kann es nicht erklären. Irgendwie ist es auf einmal da und nicht mehr weg zu denken.

Beim Gang durch das freitag-nächtliche Hoheluft West steht zwischen all den gewaltigen, irgendwie halblegal geparkten Blechlawinen das eine oder andere Schätzchen herum. Draußen und zum Anfassen. Die Fassade im Hintergrund von der Straßenlaterne wie für ein Studiobild beleuchtet, bietet den perfekten Kontrast zum Glanz auf dem Lack des schwarzen Mustangs. Da hörst du fast den Achtender durch die menschenleeren Gassen bollern. Kabooom-sprotz, Junge!

Vorfreude, Kribbeln im Bauch, Fangesänge werden im Duett angestimmt. Heja BvB. Wer wird deutscher Meister? BvB Borussia! Am Borsigplatz geboren und nun in Hamburg zum Gastspiel. Am Morgen vorm Spiel spielt die Sonne mit dem Licht und schickt es vor zur Tür. Ab nach draußen, ins Auto, Schals drappieren, Autokorso mit HSV und Dortmund Fans. Als in der 93. Minute der Ausgleich fällt, könnte ich schwören, die Himmelspforten gesehen zu haben. Gänsehaut.Ergriffenheit.Herzpochen.Schreien.Jubeln.Tanzen.Heiserkeit.Herrlichkeit. So bringt man Menschen zueinander.

Denn letztendlich ist es auch völlig unerheblich, wer ein Fußballspiel für sich entscheidet. Oder für welches Telefon oder iPhone, ob für eine rote Vespa oder einen schwarzen Einser und auf welchen Parkplätzen sie stehen. Das ist einfach Sache des Geschmacks. Jedem das, was er mag. Es ist wichtig, welche Menschen du unterwegs triffst. Was du mit ihnen erlebst und welche Bilder sich nicht abbilden lassen, weil sie dich einfach so im Kopf begleiten. Das bleibt. Das macht Spaß. Davon lebst du.

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