_Jeden Tag ’ne Karte. Las Vegas.

Postkarten zu schreiben ist eigentlich keine große Sache. Du gehst einfach unten in die Hotellobby, suchst dir den nächstbesten Kiosk und findest eine breit gefächerte Auswahl an halbwegs geschmacklosen Karten. Ein drehbarer Ständer direkt vor dem Kühlschrank mit Bud Light zeigt dir alle Facetten der Vereinigten Staaten von Amerika und du einigst dich mit deinem gestalterischen Geschmack auf fünf Stück. Fünf, weil du auf ihnen in den nächsten fünf Tagen alles in Kurzform festhalten wirst, was du erlebt hast. Jeden Tag ein Resumé auf Pappe als Gruß in die alte Welt.

Den nächtlichen Landeanflug auf den Flughafen von Las Vegas würden Piloten als sportlich bezeichnen. Eigentlich ist es zum Kotzen. Links neben mir sitzen zwei Typen, die ihre Kreditkarte zum Glühen bringen, indem sie eine Runde Dr. Peppers mit Wodka nach der anderen durchziehen. Rechts schaue ich aus dem Fenster und suche einen Fixpunkt zur Orientierung und zur Magenberuhigung. Die Skyline ist taghell erleuchtet. Es blinkt und glitzert und der Pilot scheint uns in rasanten Kurven und ruckartiges Absacken die Roulettekugel verbildlichen zu wollen, die wir später noch schieben werden. Das harte Aufsetzen feiert das halbe Flugzeug mit einem frenetischen Applaus. Das Gesicht bleich, Schweiß auf der Stirn, steige ich aus in die warme Nacht. Als wir unseren Mietwagen abholen, stehen vor uns wieder die zwei Dr. Pepper-Typen, die nun ihre Kreditkarte um den Preis einer Wochenend-Miete für eine Corvette erleichtern, mit ihr und quietschenden Reifen das Parkhaus verlassen. Wir folgen mit unserem Toyota RAV4. Also mindestens bis zur nächsten roten Ampel.

Es ist halb zwei Uhr in der Nacht. Ich schließe meine Augen nicht. Nachdem wir beim Einchecken erfahren haben, dass unsere Koffer in ca. zwei Tagen nachgeliefert werden, mache ich mich auf den Weg über den Strip auf der Suche nach Boxershorts und einer Zahnbürste. Die Stadt ist voller Menschen. Alle lachen, haben gute Laune und laufen mit riesigen Bierbons durch die Gegend. Ich fange an zu grinsen. „What happens in Vegas, stays in Vegas.“ Oh ja. Und ich merke schnell, dass hier alles passieren kann. Wieder im Hotel setze ich mich an den Roulettetisch und setze auf Rot. Wie die Farbe des Toyotas. Natürlich fällt die Kugel auf schwarz. Schwarz wie die Nacht, die kurz wird, als wir am nächsten Morgen in Richtung Red Canyon aufbrechen. Es flimmert am Horizont, die Automatik sortiert gelassen die Gänge. Mit der Sonnenbrille auf der Nase, frisch geputzten Zähnen und ausgezogenen Schuhen lässt sich die Hitze gut aushalten.

Fahrerwechsel. Ich will ans Steuer. Doch bevor ich mich hinter das Lenkrad klemme, schaue ich mir vorne an, was uns Gallonen-saufend antreibt. Süß, immerhin die Hälfte des V8s aus der Corvette. „2.6 16V blabla-tec“ steht da  in Großserien Plastik Buchstaben auf dem Vierzylinderblock. Das hört sich jetzt womöglich ein bisschen negativ an, doch werde ich am Ende der Reise sagen: tolles Auto, mit dem wir 1800 Meilen geritten sind. Die Farbe ist vom Red Canyon inspiriert, dessen orangen-hautige Felsen eine kleine Klettertour wert sind.

Es dauert lange, ehe wir wieder das „Welcome to fabulous Las Vegas“-Schild zu sehen bekommen. Raus aus dem Red Canyon, mit rot-gebrannter Haut und dem roten RAV4 fahren wir durch das lichter-bunte Stadtbild aus Hotels und Casinos. Ein Highlight reiht sich auf dem Strip an das nächste. Im Hard Rock Café gibt es neben Kaffee auch Klamotten und im Bellagio durchweht der Ganovenwind von Oceans Eleven die schweren Teppiche. Meine von Licht und Musik getränkten Sinne sind anfangs ein wenig überfordert mit der Flut an Informationen. Später macht die Faszination einfach nur noch sprachlos. Gute Nacht.

Irgendwo kurz vor der Einfahrt ins Hotel kommen neben uns wieder verdächtig quietschende Reifen gerade noch so zum Stehen. Eine gelbe Corvette lässt im Stand den Small-Block aufheulen und die Dr.Pepper-Insassen wieder in frenetische Jubelstürme ausbrechen.  Genauso wie das Heck der schnellen Vette, die beim Anfahren zickig auskeilt. Wörter wie „awesome“ und „absolutely brilliant“ sind begeisterungsschwer durch die offenen Fenster zu hören. Ein wahnwitziges Geplänkel zum Jungesellenabschied, das jäh am nächsten Hütchen endet. Hütchenspiel. Ich liege im Bett, Stifte kauend, überlegend, was zu schreiben ist und grinse in mich hinein. Oh Las Vegas, du Sündenpool. 

Wie das geht? www.hertz.de

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